„Zaman Avrupa“ verlegt Hauptsitz nach Berlin

Raus dem „Ghetto“, rein in die Haupstadt. Zu Jahresbeginn hat die türkischsprachige Zeitung „Zaman Avrupa“ ihren Hauptsitz von Offenbach nach Berlin verlegt. Zu diesem Einlass lud die Redaktion am Montagabend zur offiziellen Einweihungsfeier ein, an der auch Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP, 2. v. l.) und der türkische Botschafter Hüseyin Avni Karslıoğlu (m.) teilnahmen.

In den Räumlichkeiten in der Reinhardtstraße, ganz in der Nähe des Bundestages, wird nun die Deutschlandausgabe der „Zaman“ produziert. Chefredakteur Dursun Çelik (l.) verspricht sich vom Umzug bessere Kontakte in die Politik, und in der Hauptstadt könne man Deutschland einfach besser als in Offenbach verstehen.

„Zaman“ („Zeit“) ist die auflagenstärkste türkische Tageszeitung der Türkei. „Zaman Avrupa“ setzt in Deutschland im Abonnement sowie im kürzlich gestarteten Kioskverkauf mehr Exemplare ab als das bekannte Boulevardblatt „Hürriyet“. 2012 lag die verkaufte Auflage bei durchschnittlich knapp 28.000 Exemplaren. „Zaman Avrupa“ ist die erste türkischsprachige Zeitung, die ihren Hauptsitz in die Hauptstadt verlegt hat.

„Unsere Kinder haben keinen Migrationshintergrund mehr“

An der Veranstaltung nahm auch Emine Demirbüken-Wegner (2. v. r.), Berliner Staatssekretärin für Gesundheit und seit Dezember 2012 auch Präsidumsmitglied der CDU, teil. In ihrem Grußwort kritisierte sie vor allem die Haltung der deutschen Öffentlichkeit und Medien in der Integrationsdebatte. Besonders mit dem Begriff „Migrationshintergrund“ könne sie nichts anfangen: „Dieser Begriff ist veraltet und ich verstehe nicht, warum die 4. Generation immer noch mit ihm etikettiert wird. Die jungen Menschen von heute haben eine Zuwanderungsgeschichte. Einen Migrationshintergrund haben höchstens noch die 1. und 2. Generation, die in den 60er und 70er nach Deutschland gekommen sind.“

Der türkische Botschafter Karslıoğlu lobte „Zaman Avrupa“ für die wichtige Brückenfunktion, die sie erfülle. Sie sei nicht nur für die türkeistämmigen Bürger in Deutschland von enormer Bedeutung, sondern auch für die deutsch-türkischen Beziehungen zwischen Ankara und Berlin.