Nach dem Putsch: Ägypten will Beziehungen mit Türkei neu bewerten

Einige Offizielle der Muslimbruderschaft hatten im Vorfeld eigene diplomatische Verbindungen mit der Türkei und dem türkischen Premierminister Erdoğan geschaffen, der – selbst mit zahlreichen „prosäkularen“ Interventionen des türkischen Militärs in die Politik vertraut –, die Amtsenthebung des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi als „inakzeptabel” verurteilt hatte.

Ägyptens neuer Außenminister Fahmy (Foto) sagte, dass Kairo nach dem Sturz des konservativen Präsidenten Mursi mittels eines Militärputsches seine Beziehungen zu Syrien neu bewerten würde. In seiner ersten öffentlichen Äußerungen, seitdem er in Ägyptens Kabinett eingezogen war, sagte er, dass Kairo weiterhin die syrischen Opposition unterstütze, aber dass Ägypten nicht die Absicht habe, einen Jihad im Sinne von bewaffneter Unterstützung der syrischen Muslime zu betreiben.

„Alles wird neu bewertet”, äußerte sich Fahmy gegenüber Reportern in Kairo. Fahmys Äußerungen deuteten eine Änderung des unter Mursi praktizierten Ansatzes an. Der ehemalige Präsident sah die Unterstützung der syrischen Opposition in ihrem Kampf gegen den Diktator Bashar al-Assad als einen Grundstein seiner Außenpolitik. Kairo ist außerdem der offizielle Hauptsitz prowestlich orientierten syrischen Oppositionsgruppen.

Nur Wochen, bevor Mursi am 3.Juli entmachtet wurde, hatte ein früherer Präsidentenberater geäußert, dass ägyptische Autoritäten keinen Bürger daran hindern würden, nach Syrien zu fahren und sich den Rebellen anzuschließen.

Fahmy stellte klar, dass Ägypten eine politische Lösung für die dreijährige Krise in Syrien anstrebe, die laut der UN mehr als 90 000 Menschen getötet hatte.