Arinc fordert eine HDP-Abgeordnete dazu auf, zu schweigen.
Arinc fordert eine HDP-Abgeordnete dazu auf, zu schweigen.

Der stellvertretende türkische Ministerpräsident Bülent Arınç hat mit einem verbalen Angriff auf eine Abgeordnete für Aufregung gesorgt. Bei einer Sondersitzung im Parlament zur Sicherheitslage im Land reagierte Arınç am Mittwoch auf die Zwischenrufe einer HDP-Abgeordnete mit den Worten „(Meine) Dame, sei still. Du als Frau, sei still“. Die in einer aufgeheizten Atmosphäre gefallenen Äußerungen stießen auf heftige Kritik. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter war Arınçs verbale Attacke am Donnerstag das meist diskutierte Thema in der Türkei. Mit dem Hashtag „BirKadınOlarakSusmayacağız“ reagierten wütende Frauen, dass sie als Frauen nicht schweigen würden.

Die Abgeordnete der pro-kurdischen HDP, Nursel Aydoğan, gegen die Arınçs Worte gerichtet waren, hatte ihn kritisiert, weil er die Luftangriffe auf die Terrororganisation PKK im Nordirak verteidigte. Die türkische Luftwaffe hatte in den letzten Tagen wiederholt Luftschläge gegen PKK-Stellungen geflogen. Am Donnerstag meldete die Regierung zunächst keine neuen Angriffe. Auf Twitter distanzierte sich Arınç vorsichtig von seinen Worten. Er habe die Wort gesagt, um für Ruhe zu sorgen. Die HDP-Abgeordneten würden bloß „eine Show abziehen“.

In einem Interview gegenüber der Süddeutschen äußerte sich Aydoğan zu dem Vorfall. So etwas sei ihr zuvor noch nie passiert. „Leben wir im Mittelalter? In einem Land, das seit den 20er Jahren ein westliches, modernes Land zu sein versucht, schockiert das natürlich.“ Zudem erklärte sie, dass dies kein vorbildliches Verhalten für das Volk sei, wenn sich Regierungsmitglieder auf diese Art benehmen. Sie kündigte aber an, Arınç weiterhin respektvoll behandeln zu wollen.

Die HDP verlangte nach Angaben des Senders CNN Türk eine Entschuldigung von Arınç. Es war nicht die erste verbale Entgleisung des Vizepremiers. Vergangenes Jahr hatte Arınç mit der Äußerung für Aufregung gesorgt, Frauen sollten in der Öffentlichkeit nicht laut lachen. Mit dem Hashtag #Kahkaha hatten türkische Frauen protestiert, indem sie auf Twitter Bilder von sich hochluden, auf denen sie lachten. (dpa/dtj)