Bombenanschläge von Reyhanlı hätten verhindert werden können

11. Mai 2013, eine heftige Explosion erschüttert den türkischen Grenzort Reyhanlı. Die in zwei Autos deponierten töteten 52 Menschen, es gab über 100 Verletzte. Neueste Erkenntnisse haben ergeben, dass dieser schreckliche Anschlag hätte verhindert werden können.

Der Regionalchef des türkischen Inlandsgeheimdienst Millî İstihbarat Teşkilâtı (MİT) des Distrikts Reyhanlı in der südtürkischen Provinz Hatay wurde Berichten zufolge entlassen. Dem Mann wird vorgeworfen, die Bombenanschläge nicht verhindert zu haben, obwohl er bereits einen Monat vor den Anschlägen Geheimdienstinformationen bezüglich eines geplanten Terrorakts erhalten habe.

Der Polizeichef von Reyhanlı, Murat Berk, musste bereits am 17. Mai auf Grund von Anschuldigungen, die Polizei habe trotz Geheimdienstberichten nicht ausreichende Maßnahmen zur Verhinderung der Anschläge getroffen, seinen Hut nehmen. Ministerpräsident Erdoğan hatte kurz zuvor noch betont, mangelnde Kommunikation zwischen den einzelnen Sicherheitsbehörden wäre für das Scheitern der Verhinderung des Terroranschlages verantwortlich.

MİT leitete Informationen zu spät an andere Sicherheitsorgane weiter

Eine Untersuchungskommission der türkischen Regierung kam zu dem Schluss, dass der MİT die Hintermänner der Anschläge bereits fünf bis sechs Monate vor der Tat überwachte und von ihren Anschlagsplänen in der Türkei wusste. Neben Tonaufnahmen verfügten die beteiligten türkischen Dienste der türkischen Zeitung „Today’s Zaman“ zufolge auch über Videomaterial der Verdächtigen.

Die Kommission kam nun zu dem Schluss, dass der MİT diese entscheidenden Informationen bezüglich der Hintermänner und Anschlagspläne zwar an andere Sicherheitsbehörden weitergesendet, die Meldungen jedoch nicht mit dem Zusatz „dringend“ gekennzeichnet habe. Außerdem sei zu diesem Zeitpunkt keine nachrichtendienstliche Abteilung der Polizei anwesend gewesen, sodass die Meldungen nicht analysiert und Maßnahmen nicht rechtzeitig koordiniert werden konnten. Ankara sei stets als Hauptziel der Anschläge vermutet worden und es habe keine ausreichenden Sicherheitsvorkehrungen an der Grenze zu Syrien gegeben.

Der MİT wusste dem Kommissionsbericht zufolge bereits 23 Tage vor den Anschlägen von den genauen Plänen, sendete diese jedoch nicht an andere Sicherheitsorgane weiter. Die Polizei in Reyhanlı wurde lediglich einen Tag vor den Anschlägen telefonisch vom MİT über die Pläne informiert. Als die Polizei daraufhin die vom MİT genannten Verstecke der Hintermänner stürmte, war es bereits zu spät: Keines der Autos, in denen die Bomben versteckt waren, konnte in den Verstecken gefunden werden, da sie schon zum Anschlagsort unterwegs waren.

Über die Hintermänner gab es in der Vergangenheit unterschiedliche Berichte. So wurde zuerst die türkische Terrorgruppe „Türkische Volksbefreiungspartei-Front” (THKP-C) verdächtigt mit Hilfe des syrischen Regimes die Anschläge geplant und durchgeführt zu haben. Anfang Juni wurden jedoch sieben Mitglieder der extremistischen und als Al-Qaida-nahe geltenden syrischen Bürgerkriegsbrigade Dschabahat al-Nusra im Zusammenhang mit den Autobombenanschlägen festgenommen.