Ekrem Dumanli

Trotz der wiederholten Beteuerungen von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan und Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu, man verteidige die Meinungs- und Pressefreiheit in der Türkei mit allen Mitteln, vermitteln die Handlungen der türkischen Behörden in den letzten Wochen und Monaten das Gegenteil.

Mehrmals wurden Journalisten, wenn auch zum Teil vorübergehend, verhaftet; Twitter, Youtube und Facebook wurden gesperrt. Zuletzt wurde eine Zeitungsausgabe der Cumhuriyet nach Karikaturen durchsucht.

Zu den verhafteten Journalisten gehörte auch der Chefredakteur der auflagenstärksten türkischen Tageszeitung Zaman, Ekrem Dumanlı. Der „Spiegel“ sprach mit ihm über die Ereignisse der vergangenen Wochen und den aufflammenden Karikaturenstreit.

Im Interview distanziert sich der Journalist vom Terror in Frankreich. Die einzige Antwort auf Texte und Zeichnungen könnten nur Texte und Zeichnungen sein, so Dumanlı. Nichts rechtfertige das Töten von Menschen.

„Wie kann es in dieser Atmosphäre eine freie Presse geben?“

Wenig anfangen könne er mit der Aussage von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan, die Türkei habe „die freieste Presse der Welt“. Mit dieser Meinung stehe er alleine da. „Die Mächtigen denken sich irgendetwas aus, um kritische Journalisten loszuwerden. Redaktionen wird mit Steuerprüfungen gedroht. Wie kann es in dieser Atmosphäre eine freie Presse geben?“

Dumanlı selbst bekam im Dezember ebenfalls die neue Umgangsart der Regierung mit kritischen Journalisten zu spüren. Fast mit Ansage wurde er am 14. Dezember in Arrest genommen, man hielt ihm auf der Basis von zwei Kommentaren und einem Artikel vor, Teil einer Terrororganisation zu sein. Dumanlı steht der Hizmet-Bewegung um Fethullah Gülen nahe, die die Regierung bei jeder Gelegenheit zum Erzfeind erklärt.

Doch in Wirklichkeit gehe es nicht gegen ihn oder Gülen, sondern jeden, „der auch nur einen Millimeter von der Meinung Erdoğans abweicht“. Auf die Frage, wie sehr die Demokratie in der Türkei gefährdet sei, antwortete Dumanlı: „In diesem Jahr haben wir Wahlen in der Türkei. Ich hoffe, dass es nicht die letzten sind, die Erdoğan zulässt.“