Mit einem folgenschweren Patzer hat Jörn Kruse, der Spitzenkandidat der eurokritischen Alternative für Deutschland (AfD) in Hamburg, beim Wahlkampfauftakt am Samstag für Aufsehen gesorgt.

Im Hinblick auf das Attentat auf die Redaktion der Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ in Paris sagte Kruse: „Leider ist es viel früher passiert, als ich gehofft habe“. Erst gab es im Saal ein ungläubiges Raunen, danach klatschten einige Teilnehmer sogar Beifall.

Wenig später betonte Kruse zwar, dass er sich falsch ausgedrückt habe. Da ging der Videomitschnitt von seiner Aussage aber bereits mehrtausendfach durch die sozialen Netzwerke.

Die AfD steht derzeit vor einer innerparteilichen Zerreißprobe. Der als gemäßigt geltende Parteichef Bernd Lucke strebt auf dem Parteitag Ende Januar eine Satzungsänderung an, die an die Stelle der derzeitigen, aus drei Sprechern bestehenden Parteispitze nur noch einen Parteivorsitzenden setzen solle.

Dagegen opponieren vor allem die politisch weiter rechts stehenden ostdeutschen Landesverbände, die im Vorjahr mit zweistelligen Prozentergebnissen in drei Landtage eingezogen waren. Auch gibt es an der Parteispitze Auffassungsunterschiede über den Umgang mit den islamfeindlich dominierten „Pegida“-Protesten.

Hamburg gilt als eher Lucke-freundlicher Landesverband der AfD. Spitzenkandidat Kruse versucht jedoch insbesondere seit dem Bekanntwerden der Anschläge von Paris, sich im Wahlkampf mit islamfeindlichen Äußerungen zu profilieren. So befürwortete er kürzlich ein Kopftuchverbot für Lehrerinnen in der Hansestadt. Letzten Umfragen zufolge ist es ungewiss, ob die AfD im Februar den Einzug in die Bürgerschaft schaffen wird.