29.12.2019, Türkei, Ankara: Ein türkischer Sanitäter betreut Verwundete während eines Transports von Somalia in die Türkei zur Behandlung nach einem Sprengstoffanschlag. Die Verletzten sind Opfer der Explosion einer Autobombe am 28.12.2019 in Mogadischu. Bei einem der verheerendsten Sprengstoffanschläge der vergangenen Monate sind in Somalias Hauptstadt knapp 100 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden. Foto: Uncredited/DHA/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Überraschende Wende nach dem Blutbad vom Wochenende in Mogadischu mit rund 100 Toten. Die Täter hatten es nach eigenen Angaben „nur“ auf zwei Ingenieure abgesehen. Ihre Reaktion ist haarsträubend.

Die islamistische Terrormiliz Al-Shabaab hat sich am Montagabend als Urheber des Blutbads mit Dutzenden Toten vom Samstag in Mogadischu zu erkennen gegeben. Ihr Sprecher Ali Mohamud Rage erklärte dem Sprachrohr der Miliz, Radio Andalus, Ziel des Anschlags in der Hauptstadt Somalias seien die beiden getöteten türkischen Ingenieure und ihre Leibwächter gewesen. Den Angehörigen der Dutzenden anderen bei dem verheerenden Sprengstoffanschlag getöteten Zivilisten sprach er indes sein Beileid aus.

Die Behörden des ostafrikanischen Landes gehen in einer vorläufigen Bilanz von mindestens 83 Toten und 20 Vermissten aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Zahl der Toten entsprechend erhöht, gilt als hoch. Nach Angaben von Rettungskräften wurden viele Opfer von der Explosion regelrecht zerrissen. Eine Identifizierung der Leichenteile gilt als schwierig. In türkischen Medien hieß es, dass die beiden Ingenieure aus Denizli und Aydın stammen und erst seit wenigen Monaten in dem Land waren, um ihre finanzielle Situation zu verbessern. Sie wurden heute in ihren Heimatorten beigesetzt.

Türkei wichtiger Partner von Somalia

Ankara ist ein wichtiger Partner der somalischen Regierung und der Terrormiliz deswegen ein Dorn im Auge. Türkische Firmen sind regelmäßig im ostafrikanischen Land und helfen etwa beim Straßenbau mit. Der türkische Außenminister Mevlüt Çavusoğlu drückte via Twitter sein Beileid aus. „Wir werden weiter an der Seite Somalias stehen und unseren Kampf gegen den Terrorismus entschlossen fortsetzen“, hieß es in dem Tweet weiter.

Bei der Suche nach den Verantwortlichen für den folgenschweren Sprengstoffanschlag haben Somalias Sicherheitsbehörden nach eigenen Angaben Hinweise auf ausländische Drahtzieher. Die nationale Sicherheitsagentur Nisa betont in einem Beitrag auf Twitter, sie habe der Regierung des ostafrikanischen Landes einen vorläufigen Bericht zu dem Anschlag überreicht, „der von einem ausländischen Land geplant war“. Die Behörde machte jedoch weder den Namen des Landes noch den Bericht öffentlich und betonte: „Um die andauernde Untersuchung zu beenden, werden wir Unterstützung von ausländischen Geheimdiensten suchen.“

Weiteres Opfer stirbt nach Ankunft in der Türkei

Die Zahl der Opfer des Anschlags in Somalias Hauptstadt Mogadischu stieg indes weiter. Mindestens eines der am Sonntag zur medizinischen Behandlung in die Türkei ausgeflogenen schwer verletzten Opfer ist nach Angaben des zuständigen nationalen Notfallkomitees vom Montag gestorben. Die Polizei hatte am Wochenende bereits von knapp 100 Toten bei dem Anschlag gesprochen, den auch der UN-Sicherheitsrat auf Schärfste verurteilte. In den Krankenhäusern der Stadt wurden 148 Verletzte aufgenommen. Bei einigen gelten die Überlebenschancen als fraglich.

Als Vergeltung für den Anschlag flogen US-Drohnen Luftangriffe auf Kämpfer der islamistischen Terrormiliz Al-Shabaab. Die US-Kommandozentrale für Einsätze in Afrika (Africom) betonte, die Angriffe seien mit der Regierung des ostafrikanischen Landes abgestimmt. Insgesamt wurden demnach bei drei Luftangriffen vier Terroristen getötet. Darunter war somalischen Geheimdienstkreisen zufolge ein ranghoher Kommandeur der Miliz. Sie wurde bisher hinter dem Anschlag vermutet, obwohl sich niemand als Urheber zu erkennen gegeben hatte.

dpa/dtj