Tausende Nachhilfelehrer sind seit der Korruptionsaffäre 2013 und dem darauffolgenden Beschluss der AKP, die Nachhilfezentren (Dershane) zu schließen, ohne Beschäftigung. Einer von ihnen hat es in den letzten Wochen zu Berühmtheit gebracht. Es ist „Ekol Hoca“ (der Phänomen-Lehrer) – eigentlicher Name: Mustafa Mete Ekol.

Ekol Hoca, lehrte 20 Jahre lang in einem der landesweit tätigen und mittlerweile geschlossenen Nachhilfezentren Mathematik. Auch er gehört zu den Lehrern in der Türkei, die arbeitslos sind. Auf das Versprechen der Regierung, zu staatlichen Schulen transferiert zu werden, wollte er aber nicht warten und ergriff Eigeninitiative. Viel geändert hat sich dabei in seinem Leben nicht. Ganz nach dem Prinzip „Lehren kann man überall“ lebt der motivierte Lehrer seinen Traumjob, auch ohne dabei an den Staat gebunden zu sein, weiter.

Seit nun vier Monaten lehrt und beantwortet Ekol Hoca von morgens 05.30 Uhr bis abends über Perisocope, einem Livestream in Echtzeit, seinen Followern jegliche Themen und Fragen ohne Gegenleistung. Dabei hat er für jedes seiner Videos mindestens 1.000 Follower. Eine Zahl, die für sich spricht. Aktuell hat der engagierte Lehrer knapp 90.000 Follower bei Twitter, über das Periscope läuft.

An Motivation und Herzensblut mangelte es ihm anscheinend nie. Seit 2006 lädt der erfahrene Lehrer auf seine eigene Homepage ekolhoca.com Unterricht-Videos hoch, mit denen er die Aufmerksamkeit vieler Schüler auf sich zog.

„Dieser Lehrer ist nicht normal“

Vor kurzem zog er nun auch die Aufmerksamkeit der Weltpresse auf sich. Unter anderem berichtete die britische Tageszeitung „The Independent“ über ihn. „Dieser türkische Lehrer fordert die Regierung mit Periscope gegen das erlassene Verbot heraus“, hieß der Titel.

„Dieser Lehrer ist nicht normal. Von morgens 05.30 Uhr bis abends lehrt und beantwortet dieser türkische Lehrer per Livestream seinen Followern jegliche Themen und Fragen ohne irgendeine Gegenleistung“, heißt es in dem Artikel über Ekol Hoca.

In einem Radio-Interview mit BBC erklärt Ekol Hoca, dass das Unterrichten per Persicope „einfach amüsanter“ als im Klassenzimmer sei. „Das sage nicht nur ich, sondern auch meine Schüler“, so der Lehrer. „Da ich an keinen Lehrplan gebunden bin, gibt es auch keine zeitliche und themengebundene Einschränkung, und gerade das lockert den Unterricht auf.“ Diese Zufriedenheit drücke sich unter anderem auch in den vielen Dankesnachrichten aus, die er erhalte. In einer bedanke sich einer seiner Schüler für die vielen lehrreichen Videos, mit denen er sich auf seinen Abschluss an einer der renommierten Universitäten in der Türkei (Hacettepe Universität) vorbereitet habe.