Brisante Enthüllung über die Umstände der Ermordung des US-amerikanischen Journalisten James Foley, der vor seiner Enthauptung von der terroristischen Organisation „Islamischer Staat“ (IS, ehem. ISIS) als Geisel gehalten worden war.

Demnach soll die Terrorgruppe einen Hinweis über eine bevorstehende militärische Befreiungsaktion der USA für die Befreiung des Journalisten erhalten haben. IS-Vertraute dürften in Antakya – einer der bedeutendsten Transitrouten für europäische „Djihadisten“ und ihre Anwerber – auf die bevorstehende Aktion aufmerksam geworden sein, als Amerikaner sich dort über die Geiseln und ihre Situation erkundigten und Fragen stellten. Daraufhin haben sie die Terroristen gewarnt.

Fragen der Amerikaner ließen IS Verdacht schöpfen

Eine IS-nahe syrische Quelle äußerte gegenüber Reuters, dass er von der geplanten Operation erfahren habe, als Amerikaner verzweifelt nach den Geiseln oder Informationen über diese gesucht haben sollen. Die Quelle, die unter der Bedingung, anonym zu bleiben, mit der Nachrichtenagentur sprach, schilderte die Situation wie folgt: „Sie [die Amerikaner] trafen sich in Antakya mit verschiedenen Leuten und stellten Fragen. Das sprach sich herum, woraufhin man eine Operation erwartete. Der Staat (IS) sah diese voraus und traf Vorkehrungen. Sie erwarteten es und deshalb wurde wahrscheinlich der Aufenthaltsort der Geiseln verändert.“

Rami Abdelrahman, der Gründer der oppositionellen Syrischen Beobachtungsstation für Menschenrechte, die mittels eines über das Land verteilten Aktivistennetzwerkes Gewalt und Kriegsverbrechen im syrischen Bürgerkrieg aufzeichnet, äußerte, dass seine Aktivisten in der IS-Hochburg Raqqa zur Zeit der Operation im letzten Monat von einer einzelnen IS-nahen Quelle einen Bericht erhalten hätten, wonach amerikanische Truppen in der Gegend unterwegs wären. „Die Anwohner berichteten, sie hätten Flugzeuglärm und Gewehrschüsse gehört, aber über keine weitergehenden Erkenntnisse verfügt“, so Abdelrahman.

Weiter soll die Quelle berichtet haben, dass einige der Amerikaner getötet worden wären. Auch die IS habe Verletzte zu beklagen gehabt: „Sie sagten, einige Brüder wären verwundet worden.“

Weißes Haus äußerte sich erst nach Presseberichten

Auch Abu Ibrahim al Raqaoui, ein Mitglied der syrischen Oppositionsgruppe, berichtete via Skype gegenüber Reuters in einem Interview aus Syrien detailreich über die mutmaßlich gescheiterte amerikanische Rettungsaktion, wobei er sich auf Gespräche mit Augenzeugen berief. Raqaoui zufolge seien mindestens zwei Dutzend Kommandos der US Delta Air Force am 4. Juli knapp nach Mitternacht in schwer bewaffneten Black Hawk Hubschraubern in Akrishi, einer Kleinstadt nahe dem ostsyrischen Raqqa an den Ufern des Euphrats gelandet.

Bevor sie mit ihrer Suche nach den Geiseln – inklusive Foley – begannen, sollen die Amerikaner ein wichtiges Ziel zerstört haben, nämlich Luftabwehreinrichtungen in einer Basis der Terroristen etwa fünf Meilen außerhalb der Stadt, die fast vollständig von IS beherrscht wird.

Das Weiße Haus veröffentlichte am Mittwoch, einen Tag, nachdem IS das Video auf Youtube postete, in dem Foley ermordet wurde, Details über den Einsatz. Die Kommandos hätten es nicht geschafft, Foley oder andere Geiseln zu finden. Die Mitteilung wurde veröffentlicht, nachdem bereits einige US-amerikanische Nachrichtenportale über die Operation berichtet hatten.  

Die US-Militäraktion im Herzen des von IS beherrschten Territoriums am amerikanischen Unabhängigkeitstag endete in Enttäuschung, als keine Gefangenen gefunden worden waren. Nach der Landung hatten die US-Kommandos die Hauptverbindungsrouten nach Raqqa blockiert und sich in Richtung eines behelfsmäßigen Gefängnisses bewegt, wo sie Foley und andere Geiseln vermutet hätten, so Raqaoui. Als sie merkten, dass diese sich nicht dort befanden, griffen sie die Basis an, die nach dem früheren Al-Qaida-Führer Osama Bin Laden benannt war und setzten sie in Brand.