Members of Islamic State (IS) on the Syrian side of the border with Turkey, near Sanliurfa, Turkey, 06 October 2014.

In der südosttürkischen Stadt Şanlıurfa ist der britischen Tageszeitung The Telegraph zufolge ein Versuch von Anhängern der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS; ehem. ISIS) gescheitert, einen bedeutenden Kommandeur der so genannten „moderaten Rebellen“ in Syrien zu kidnappen. Die Zeitung meint, dass ein solcher Angriff auf türkischem Boden geplant und durchgeführt werden könne, zeige, dass die extremistische Gruppe nach wie vor in der Lage sei, sich in der Türkei relativ unbehelligt zu bewegen.

Dem am Sonntag erschienenen Bericht der englischen Tageszeitung zufolge sollte Abu Issa, der Führer der aus der al-Qaida-nahen al-Nusra hervorgegangenen syrischen Terrorgruppe Thuwar Raqqa, die jedoch mit dem IS verfeindet ist und in Kobani in den Abwehrkampf involviert war, in Şanlıurfa von IS-Kämpfern in einen Hinterhalt gelockt werden.

Dabei wurde Abu Issa angeschossen und verwundet. Der Telegraph wirft in diesem Zusammenhang einmal mehr die Frage auf, wie es möglich sei, dass IS-Terroristen sich nach wie vor unbemerkt auf türkischen Boden bewegen und Anschläge planen können. „Der schamlose Kidnapping-Versuch im südöstlichen Urfa zeigt, wie der IS immer noch im Nato-Mitgliedsland Türkei relativ ungestraft operieren kann“, kommentiert das Blatt.

IS soll sich in Şanlıurfa frei bewegen können

Dem Bericht zufolge gibt es einen Augenzeugenbericht von Ahmed Abdul Khader, einem Sprecher von Thuwar Raqqa, dem zufolge die IS-Kämpfer ihm und seinen Begleitern um etwa 18.30 auf der Straße mit mehreren Fahrzeugen den Weg versperrt und Issa sowie dessen Sohn aus ihrem Wagen gezerrt haben sollen. Issa soll die nicht maskierten Angreifer als IS-Mitglieder identifiziert haben. Die in der Vergangenheit oft enge Kooperation zwischen den Terrorgruppen in Syrien weist darauf hin, dass diese Einschätzung Substanz haben könnte.

Der Tod des Führers der Thuwar Raqqa wäre ein schwerer Schlag für die Organisation gewesen, deren Mitglieder dem Bericht zufolge ausgewählt worden sein sollen, um in der Türkei als Teil der von den USA geführten Operation zum Kampf gegen den IS in Syrien ausgebildet zu werden.

Obwohl Khader in der Türkei mehrere Mitglieder des IS an die Nationale Geheimdienstorganisation (MİT), die in Şanlıurfa und anderen Städten aufgetreten seien, gemeldet haben soll, seien diese nie inhaftiert worden, berichtet der Telegraph weiter.

Türkei besteht weiter auf Schutzzone

Die Administration des US-Präsidenten Barack Obama arbeitet an der Bildung einer starken Koalition gegen den IS und die Bedrohung, die in der Region von diesem ausgeht. In einer Adresse an führende Militärs aus mehr als 20 Ländern betonte Obama, etwa 60 Länder hätten sich bereit erklärt, an der Kampagne gegen die Terrormiliz IS mitzuwirken.

Die Türkei ist immer noch abwartend und verlangt nach der Einrichtung einer Flugverbotszone in Syrien und einer Schutzzone für Flüchtlinge. Darüber hinaus verlangt sie, den Kampf gegen den IS zu einer Operation zum Sturz des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad auszuweiten, der nach Meinung Ankaras dazu beiträgt, eine Atmosphäre zu schaffen, die für radikale Gruppen wie den IS fruchtbar sei.

Allerdings gingen IS und ähnliche Gruppen nicht selten aus Verbänden hervor, die seit 2011 mit Billigung der Türkei und des Westens selbst versuchen, Assad mit Waffengewalt aus dem Amt zu jagen.