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Millionen von Menschen auf der ganzen Welt werden am 25. Dezember Weihnachten feiern. Ein anderes Fest hingegen wird derzeit, in der Türkei gefeiert– ein Festival zu Ehren des großen islamischen Mystikers Rumi, das allgemein als Şeb-i Arus bekannt ist. Das Fest erreicht am 17. Dezember, also heute, seinen Höhepunkt, denn an dem Tag wird die Vereinigung Rumis mit Gott gewürdigt – es ist also jener Tag, an dem Rumi verstarb.

Tausende Menschen aus aller Welt treffen sich an diesem Tag am imposanten Rumi-Mausoleum aus dem 13. Jahrhundert, um Şeb-i Arus, den „Hochzeitstag“ Rumis, zu feiern. An diesem Tag kommt Rumi nach der Vorstellung der islamischen Mystiker durch seinen Tod mit seinem Geliebten, Gott, zusammen.

Die Feier findet in Konya, jener Stadt in Zentralanatolien, statt, die als die bedeutendste Stadt des Sufismus und als Ursprung der bedeutendsten Orden dieser Schule gilt. Viele, die im Dezember dorthin reisen, kommen, um Rumi (1207-73) ihren Respekt zu erweisen, indem sie sein Grab besuchen und am Fest teilnehmen.

Die Verbundenheit zwischen Gott und der Schöpfung versinnbildlichen

Einer der Gründe, weshalb das Rumi-Festival so beliebt ist, ist die spezielle Zeremonie mit dem Tanz der Derwische (Sema) getreu den Lehren des großen Mystikers und Poeten in der Tradition des Islam. Sie tragen weiße Roben und kegelförmige Hüte und drehen sich zu den Trommeln und zur Hirtenpfeife (Ney). Dieser faszinierende Zyklustanz verkörpert die Harmonie der Hirten und ist ein Ausdruck für die kosmische Liebe.

Die Tänzer halten eine Hand hoch zu Gott und eine hinunter zur Erde, um deren Verbindung zu Gott in ihrer Trance zu symbolisieren. Dieser Sufitanz wurde unter Mustafa Kemal Atatürk ebenso wie die Sufi-Orden verboten. Kürzlich wurde er als Teil der sozialen Kultur der Türkei wiederbelebt.

Berühmt ist Rumi vor allem auch für seine Sprachgewandheit und Aussprüche, die nicht nur in der Türkei, sondern in der gesamten islamischen Welt noch heute gerne Anklang finden: „Lass die Schönheit dessen, was du liebst, das sein, was du tust. Es gibt tausende Wege, sich niederzuknien und die Welt zu küssen.“

Ein anderer berühmter ist: „Komm! Komm! Wer du auch bist! Wenn du auch Götzendiener oder Feueranbeter bist. Komm wieder! Dies ist die Tür der Hoffnung, nicht der Hoffnungslosigkeit. Auch wenn du tausendmal dein Versprechen gebrochen hast. Komm! Komm wieder!“

Lehre der Toleranz und des Respekts

Wenn Sie im Sommer in die Türkei reisen, vergessen Sie nicht, einen Ausflug nach Konya zu planen, selbst wenn die Zeit knapp sein sollte. Das Mevlana(andere Bezeichnung für Rumi)-Mausoleum aus dem 13. Jahrhundert mit seiner Moschee, der Tanzboden, die Viertel, in denen die Derwische leben, die Schule und die Grabstätten einiger berühmter Angehöriger des nach Rumi bzw. Mevlana benannten Mevlevi-Ordens sind zu Recht beliebte Reiseziele von Touristen geworden. Viele Besucher sehen den Ausflug auch als Pilgerfahrt.

Das Mausoleum lebt weiter, weil es Pilger aus allen Teilen der muslimischen und nicht-muslimischen Welt anzieht. Rumi wird von vielen als ein Philosoph und ein Mystiker islamischen Ursprungs bewundert. Die Lehren Rumis befürworten unbegrenzte Toleranz, positive Begründungen, Güte, Wohltätigkeit und das Bewusstsein der Liebe. Seine Philosophie ist umso bemerkenswerter und auch beliebt, weil sie den Standpunkt artikuliert, dass alle Religionen mehr oder weniger die Wahrheit repräsentieren und dass alle Menschen gleich behandelt werden sollten, egal ob Muslim, Jude oder Christ.

Die meisten, mit denen ich nach ihrem Ausflug gesprochen hatte, sagten mir, dass sie die Hauptveranstaltung genossen haben – vor allem den Sema Tanz mit den sich drehenden Derwischen. Es lohnt sich jedenfalls, im Voraus zu buchen!