Sensible Daten von Jugendlichen, die entweder in Straftaten verwickelt waren oder deren Opfer wurden, sind in Diyarbakır an die Öffentlichkeit gelangt. Viele der Familien verließen Hals über Kopf die Stadt.
Sensible Daten von Jugendlichen, die entweder in Straftaten verwickelt waren oder deren Opfer wurden, sind in Diyarbakır an die Öffentlichkeit gelangt. Viele der Familien verließen Hals über Kopf die Stadt.

Die Polizeibehörden in Diyarbakır werden verdächtigt, die Familien mehrerer hundert minderjähriger Schüler faktisch aus der Gegend vertrieben zu haben. Wie die Tageszeitung Zaman berichtete, sollen in insgesamt 872 Fällen Schüler Hals über Kopf die Provinz verlassen haben, nachdem ihre Namen und die Daten ihrer Kinder durch ein Büro der Bezirksschulbehörde im Zusammenhang mit Verbrechen und sexueller Belästigung veröffentlicht worden waren.

Die Polizei von Diyarbakır soll eine 25 Seiten umfassende Liste von Minderjährigen an das Erziehungsdirektor von Bağlar weitergereicht haben, um Informationen über deren Bildungshistorie zu erlangen. Auf der Liste sollen sich die Namen, die Adressen und die Namen der Eltern und Hinweise darauf befunden haben, dass die Betreffenden bereits in strafbare Handlungen oder Fälle sexueller Belästigung involviert gewesen sein sollen.

Die Behörde soll die Liste in weiterer Folge auf ihrer Webseite geteilt und damit die vertrauliche Information der Öffentlichkeit zugänglich gemacht haben.

Die Familien, die unter Zusicherung ihrer Anonymität mit der Hürriyet gesprochen hatten, äußerten ihre Sorge, nachdem die Namen ihrer Kinder offenbart wurden, und warfen der Behörde vor, die Liste absichtlich veröffentlicht zu haben.

Gemeinsam mit Beamten des Bildungsministeriums sollten der Chef der Polizeiabteilung von Diyarbakır, Halis Böğürcü, und der Chef der Kinderschutzbehörde, Şenol Toklu, die Familien begleiten, schilderten die Familien, die nun deren Suspendierung verlangen. Sie kündigten auch rechtliche Schritte gegen die beteiligten Polizeibeamten an.

Kinder weg aus Diyarbakır zu Verwandten gebracht

„Wir sind schwer traumatisiert“, heißt es aus den Reihen der Betroffenen. „Wir versammelten uns mit ein paar Familien und sprachen darüber, was nun zu tun wäre. Gott bewahre, hätte es am Ende noch Selbstmorde gegeben… die Verbrechen, die unsere Kinder begangen haben sollen oder deren Opfer sie geworden, hätten geheim gehalten werden müssen. Wir wissen, was geschehen war, andere aber nicht. Jetzt weiß jeder in der Schule und in der Nachbarschaft Bescheid.“

Einige der betroffenen Familien planen nun, die Stadt komplett zu verlassen, die meisten haben ihre Kinder bereits zu Verwandten in anderen Provinzen verbracht. Sowohl in Bağlar als auch in Yenişehir sollen die Listen auf den Webseiten der Schulbehörden aufgetaucht sein, berichtet die Doğan  News Agency. Dieser zufolge sollen auch bereits drei Beamte, darunter die zuständigen Abteilungsleiter, suspendiert worden sein.

Die Kinder sollen in Kategorien eingeteilt worden sein, darunter 410, gegen die Strafverfahren eingeleitet wurden, 416, die auf den Straßen gearbeitet oder dazu gezwungen worden sein sollen, sowie 46, die zum Opfer sexuellen Missbrauchs geworden sein sollen.