Syrische Soldaten - reuters

Offenbar auf Initiative Moskaus hin hat die Regierung Syriens der Opposition ein Angebot zur Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus gemacht.

Syriens Vizeaußenminister Feysal Mikdad erklärte am Dienstag in einem Interview für den arabischen Dienst des TV-Senders Russia Today: „Wir sind dazu bereit, weil wir kategorisch gegen den Terrorismus sind. Alle Seiten sollen fordern, die Finanzierung und Bewaffnung der Terroristen einzustellen… Zwischen uns Syrern gibt es selten große Differenzen. Deshalb wird es nicht schwer sein, Vereinbarungen (zu solcher Kooperation) zu erzielen“, sagte Feysal in einer Stellungnahme zur jüngsten Erklärung von Russlands Außenminister Sergej Lawrow, wonach Opposition und Regierung in Syrien ihre Anstrengungen im Kampf gegen den Terror vereinen sollten.

„In diesem Zusammenhang sind wir bereit, mit beliebigen Kräften in Syrien zusammenzuarbeiten, die gegen den Terrorismus sind“, fügte Mikdad hinzu.

Das Kräfteverhältnis unter den Oppositionellen in Syrien führt aus Sicht Moskaus vor Augen, dass die so genannten Djihadisten aus dem Umfeld der Terrororganisation die Oberhand gewinnen.

„In mehreren Berichten regionaler und internationaler Medien zur Entwicklung in Syrien wird auf ein qualitatives und quantitatives Wachstum radikaler Kräfte hingewiesen, die gegen die Regierung in Syrien kämpfen“, heißt es in einem am Freitag in Moskau veröffentlichten Kommentar der stellvertretenden Leiterin des Informations- und Presseamtes des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa. „Dabei wird festgestellt, dass stärker gewordene ‚Djihadisten‘ immer öfter gegen ‚gemäßigte‘ Oppositionskräfte um die Kontrolle über den Waffenschmuggel und über andere Hilfe aus dem Ausland sowie um Einflusszonen und wichtige Ortschaften kämpfen.“

Kein Land will syrische Waffen auf seinem Territorium zerstören

Unterdessen erwägen die USA offenbar, Teile des syrischen Chemiewaffen-Arsenals auf See zu vernichten. Wie die „New York Times“ am Dienstag (Ortszeit) online unter Berufung auf US-Regierungsvertreter berichtete, prüft Washington Pläne, die zum Waffenbau benötigten Chemikalien des Landes auf ein Schiff zu verbringen. Dort sollten sie unter Aufsicht der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) unschädlich gemacht werden. Einsatzbereite Waffen sollten getrennt davon vernichtet werden, hieß es weiter.

Mehrere Länder, unter anderem Albanien, hatten es abgelehnt, die Waffen auf ihrem Territorium zu zerstören. So sagte etwa auch die Bundesregierung Hilfe bei der Beseitigung des syrischen Arsenals zu, Berlin will die Waffen aber nicht nach Deutschland bringen lassen.

Einen Zusammenhang mit dem syrischen Bürgerkrieg scheinen auch zwei Selbstmordattentäter am Dienstag vor der iranischen Botschaft im Libanon zu haben. Dabei wurden 24 Menschen getötet. Das libanesische Gesundheitsministerium zählte nach dem Anschlag im südlichen Vorort Al-Dschanah von Beirut zudem 146 Verletzte. Unter den Toten sind auch drei Iraner: Der Kulturattachée der Botschaft, Ibrahim Ansari, und zwei Mitarbeiter des iranischen TV-Senders Al-Alam. Gesundheitsminister Ali Hassan al-Chalil befürchtete einen Anstieg der Zahl der Todesopfer, da der Gesundheitszustand von vielen Verletzten kritisch war.

Terroristen bekennen sich zu Anschlag – Teheran gibt dennoch Israel die Schuld

Mehrere libanesische Medien meldeten, die Abdullah-Azzam-Brigaden stünden hinter dem Selbstmordanschlag. In einem Bekennerschreiben im Namen der Gruppe wurde als Motiv die Beteiligung der schiitischen Hisbollah-Miliz am Bürgerkrieg in Syrien genannt. Über Twitter wurden weitere Anschläge angedroht, sollte sich unter anderem die Hisbollah nicht umgehend aus Syrien zurückziehen. Omar Bakri, ein Angehöriger der sunnitischen Extremistenszene, bestätigte die Täterschaft der Gruppe im Gespräch mit der libanesischen Nachrichtenwebsite „Al-Nahar“.

Teheran machte ungeachtet dessen – unsubstanziiert – Israel für den Anschlag verantwortlich. Ein Wachmann der Botschaft, der unverletzt geblieben war, sagte der Nachrichtenagentur dpa, der erste Attentäter habe sich auf einem Motorrad unweit des Botschaftsgeländes in die Luft gesprengt. Der zweite Terrorist soll mit einem Geländewagen vorgefahren sein, in dem eine Bombe versteckt war. Er zündete seine Bombe, die mehrere Wohnblöcke beschädigte, kurz nach der ersten Explosion. Das Viertel, in dem die Botschaft liegt, wird von der Hisbollah kontrolliert.

Da der Anschlag in der Nähe der iranischen Botschaft passierte, werde der Iran die Angelegenheit mit großer Ernsthaftigkeit verfolgen, sagte die Sprecherin nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars.

Die vom Iran aufgerüstete Hisbollah kämpft in Syrien zusammen mit den Truppen des Regimes von Baschar al-Assad gegen Aufständische. Der Iran unterstützt das syrische Regime zudem durch Militärberater. Westliche Geheimdienste gehen außerdem davon aus, dass der Iran per Flugzeug Waffen an die syrischen Truppen liefert.

Assad-Truppen nehmen wichtige Kleinstadt ein

Syrische Regierungstruppen sind in den vergangenen Tagen gemeinsam mit Hisbollah-Kämpfern weiter in Gebiete im Umland der Großstädte Damaskus und Aleppo vorgerückt, die bislang unter der Herrschaft der Rebellen standen. Nach Informationen der Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter nahmen die Regierungstruppen am Dienstag die strategisch wichtige Kleinstadt Al-Kara ein, die an der Straße zwischen Damaskus und Homs liegt.

Der iranische Botschafter in Beirut, Ghadhanfar Rokon Abadi, blieb bei dem Anschlag am Dienstag unverletzt. Er sagte: „Derartige Terroroperationen werden den Iran nicht von seinem Weg abbringen.“ Der amtierende libanesische Regierungschef Nadschib Mikati sagte, es sei nicht akzeptabel, dass jemand versuche, „den Libanon als Schauplatz zu benutzen, um politische Botschaften in die eine oder andere Richtung von sich zu geben“.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) verurteilte den Anschlag. „Alle politischen Kräfte im Libanon sind zu Dialog und Kompromissbereitschaft aufgerufen, um die politische Stabilität des Landes zu stärken und ein Übergreifen des Bürgerkriegs im Nachbarland Syrien zu verhindern“, sagte er. (dpa/RIA Novosti/dtj)