Nach der Wahlniederlage vom Sonntag und vor den Koalitionsgesprächen stellt die AKP-Regierung von Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu ihre Erfolge in die Vitrine. „Die türkische Wirtschaft ist 22 Quartale in Folge ununterbrochen gewachsen und hat gleichzeitig Arbeitsplätze geschaffen“, wird der stellvertretende Ministerpräsident Ali Babacan in der Zeitung „Milliyet“ zitiert. Seit 2009 seien 6,366 Millionen Arbeitsplätze entstanden, sagte der Minister.

Auch Finanzminister Mehmet Şimşek sieht seine Regierung als erfolgreich. In Bezug auf das Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent in den ersten vier Monaten schrieb er über den Kurznachrichtendienst Twitter: „Dem Stillstand in Europa, den geopolitischen Spannungen, den finanziellen Problemen und den politischen Unsicherheiten zum Trotz ist ein Wachstum von 2,3 Prozent positiv“.

Dennoch gibt es Gefahren für die türkische Wirtschaft. Gerade der Wertverlust der heimischen Währung gegenüber dem Dollar bereitet den Unternehmen weiterhin große Sorgen. Die Rohstoffe werden an den internationalen Märkten mit Dollar bezahlt. Auch die Inflation belastet die Wirtschaft. Diese liegt bei über 8 Prozent.

Ein anderer Faktor, welches die Unternehmen belastet, sind die massiven Schulden. Die Nettoverschuldung der Realwirtschaft lag Ende 2014 bei 1,403 Trillionen TL (ca. 450 Milliarden Euro). Die 500 größten Unternehmen mussten mit der Hälfte ihrer Gewinne von 2013 ein Jahr später ihre Schulden tilgen. Zudem lagen die Schulden der Unternehmen um 25 Prozent höher als noch ein Jahr zuvor.

Derzeit ist es schwierig, Prognosen aufzustellen. Die AKP muss sich in den nächsten Wochen einen Koalitionspartner suchen, falls sie weiterregieren möchte. Die Suche scheint sich schwierig zu gestalten. Am Mittwoch gab es Bewegung in Ankara. Der ehemalige CHP-Chef Deniz Baykal traf sich mit Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan. Hinter den Kulissen wurde darüber spekuliert, ob dies als Annäherung zwischen der AKP und CHP gedeutet werden könne, da Erdoğan weiterhin ein großer Einfluss auf die AKP nachgesagt wird.