Türkei: Polizei fasst Hauptverdächtigen im Fall der ermordeten Sarai Sierra

Das Büro des Gouverneurs der südtürkischen Provinz Hatay sagte, Sicherheitskräfte hätten den Hauptverdächtigten im Falle des Mordes an der amerikanischen Touristin Sarai Sierra am Sonntag im Reyhanlı-Distrikt von Hatay gefasst.

Nach dem 46-jährigen verdächtigen Altpapiersammler, den die türkischen Medien nach seinen Initialien nur „Z.T.“ nannten, wurde seit Februar intensiv landesweit gefahndet. Nachdem er in einem Krankenhaus in Antakya ärztlich untersucht und von der Polizei verhört worden war, wurde er dem Gericht vorgeführt.

Der Polizeichef von Hatay, Ragıp Kılıç, sagte am Sonntag, dass seine Einheiten akribisch auf die Ergreifung des Verdächtigen hingearbeitet haben. So wurde etwa die Grenze der Provinz Hatay zu Syrien streng von der Polizei überwacht und Teile der der syrischen Oppositionsstreitkräfte wurden über die Suche nach „Z.T.“ in Kenntnis gesetzt. Nach Angaben des Polizeichefs wird der Verdächtige am Montag nach Istanbul geflogen werden.

Sierra, die 33-jährige Mutter von zwei Söhnen, wurde während ihres Türkeiurlaubs ermordet. Am 21. Januar, einen Tag vor ihrem Rückflug nach New York, meldete sie sich das letzte Mal bei ihrer Familie.

Zwölf Tage nach ihrem Verschwinden fand die Istanbuler Polizei ihre Leiche hinter der alten Stadtmauer im sozial schwachen Cankurtaran-Viertel. Den offiziellen Berichten zufolge wurde die Frau mit einem nicht näher beschriebenen Gegenstand erschlagen. Bei der Autopsie der Leiche konnten Stoffreste unter den Fingernägeln des Opfers festgestellt werden. Anhand aus diesen Stoffresten gefundener DNA-Spuren hofft die Polizei „Z.T.“, dessen Bruder der Polizei eine DNA-Probe zur Analyse zu Verfügung gestellt hatte, überführen zu können. Die Analyse der DNA des Bruders ergab eine große Ähnlichkeit mit den aus den Stoffresten gewonnenen DNA-Spuren, woraufhin die Polizei „Z.T.“ zum Hauptverdächtigten erklärte.

Psychisch labile Persönlichkeit, die auf der Straße lebte

Der aus der Provinz Karabük stammende Verdächtige war nach der Tat untergetaucht. Die Polizei geht davon aus, dass „Z.T.“ das Opfer überfallen und ausgeraubt hat. Anschließend habe er versucht, sie zu vergewaltigen, doch als sie Widerstand leistete, habe er sie vermutlich getötet.

Der Verdächtige lieh sich kurz nach der Tat in Karabük von seinem Bruder 100 TL und sagte, er werde damit unter falschem Namen ein Busticket kaufen und nach Hatay fahren. Sein Bruder sagte der İhlas-Nachrichtenagentur: „Wir können es nicht glauben oder – besser gesagt – wir wollen es nicht glauben, aber die Polizei hat klargemacht, dass sie Beweise dafür hat, dass mein Bruder der Mörder der Amerikanerin ist. Mein Bruder lebt seit einer langen Zeit auf der Straße und ist seit über 15 Jahren geistig labil. Wir wissen nicht, wo er lebt. Er kommt nur alle zwei, drei Jahre nach Hause. Er benutzt nie ein Telefon. Er sagte, er plane nach Hatay oder irgendwo dort in die Nähe zu gehen, sicher waren wir uns aber nicht.“

Im Laufe der Ermittlungen wurden Ende Februar etwa 100 Polizeibeamte mit der Suche nach „Z.T.“ beauftragt, nachdem sich Hinweise erhärtet hatten, wonach er sich in der südtürkischen Provinz aufhalte. Das Verbrechen in Istanbul, das als eine der sichersten Metropolen der Welt gilt, hatte über die Grenzen der Türkei hinaus für Betroffenheit gesorgt.