Nach den Kommunalwahlen in der Türkei plant Erdoğan nun die Schließung der Teestuben. Der Grund: Verstoß gegen „türkisch-islamischen Morallehre“.

Die Türken müssen sich nach den Kommunalwahlen in der Türkei auf harte Zeiten gefasst machen. Nach Twitter und Youtube beabsichtigt Ministerpräsident Erdoğan nun angeblich auch alle Teestuben im Land zu schließen und den Teeverbrauch gesetzlich zu regeln.

Inoffiziellen Angaben zufolge ließ er am Montag nach seinem überwältigenden Wahlerfolg eine geheime Kommission bilden, die ausloten soll, inwiefern ein Verbot der Teestuben im Land möglich ist, da an diesen Orten Karten gespielt, Raki getrunken und über Politik gesprochen wird.

„Ich habe die Wahl gewonnen, also darf ich jetzt machen, was ich will“, offenbarte er in einem illegalen Telefonmitschnitt, das einem regierungskritischen Medium am Montag zugespielt wurde. Die Stimme, die angeblich Erdoğan zuzuordnen ist, lobt die Sperrung von Youtube und Twitter in den höchsten Tönen und sieht darin das Geheimnis seines Sieges. „Was glaubt ihr, wie wir so viele Stimmen bekommen haben? Meine Bürger haben mich gewählt, da ich ihnen Youtube und Twitter genommen habe. So wurden sie am Sonntag nicht abgelenkt und gingen wählen.“ Die AKP hatte bei den Kommunalwahlen etwa 46 % der Stimmen erhalten und die CHP deutlich auf den zweiten Platz verwiesen.

Schlag gegen die Tee-Trinker-Lobby

Es bleibt offen, was der Ministerpräsident nun mit dem neuen Verbot bezwecken will. Gerüchten zufolge plant er so seinen nächsten Coup – den Triumph bei den Präsidentschaftswahlen im August. Weitere Stimmen auf dem Mitschnitt, die nicht zuzuordnen sind, reagieren eher verhalten auf das Vorhaben und raten Erdoğan von dem Verbot ab.

So leicht geschlagen geben will sich das türkische Volk scheinbar auch nicht. Fernsehbilder zeigten am Dienstag Menschen, die erste Vorkehrungen trafen, ihre Gärten in Teeplantagen umzufunktionieren. „Ich trinke täglich zwei Liter Tee, er lässt mir keine andere Wahl“, sagt beispielsweise Hasan Ü. aus Rize in Richtung Erdoğan, der ebenfalls aus Rize stammt. Die Provinz gilt als das Hauptanbaugebiet des Çay in der Türkei. Der Teestubenbetreiber Mehmet K. aus Istanbul zeigt sich wiederum gefügig: „Nach dem Verbot der Dershanes wundert es mich nicht, dass auch Teestuben geschlossen werden sollen. Ich werde keinen Widerstand leisten. Erdoğan weiß das Beste für mich.“

Twittern als Belohnung für sachdienliche Hinweise?

Der Premier gibt sich allerdings ebenfalls hartnäckig. Zur Not will er die Schwäche seiner Landsleute für die Sozialen Medien ausnutzen und jene belohnen, die Hinweise für geheime Teeplantagen und -stuben liefern. Jeder, der einen solchen Hinweis liefere, dürfe damit rechnen, wahlweise wieder Twitter oder Youtube nutzen zu können.

Beobachter vermuten hingegen, dass der allmächtige Politiker mit dem Teeverbot wieder die Hizmet-Bewegung treffen wolle. Erdoğan hatte bei seiner Balkonrede am Wahlabend wieder gegen Hizmet gegiftet. Anhänger der Bewegung gelten als exzessive Teetrinker. Einzelne Vertreter der Bewegung wollten sich angesprochen auf ein mögliches Çay-Verbot nicht äußern.

PS: Heute ist Dienstag, der 1. April, April 2014.