Die heutige Titelseite der türkischen Tageszeitung Zaman.

Seit gestern stehen die Menschen in Frankreich und in Europa unter Schock. Zwei Männer stürmen in die Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ und töten zehn Mitarbeiter, einen Sicherheitsmann sowie einen Polizisten. Mehrere Menschen wurden zudem schwer verletzt. In einer Erklärung im Namen der Redaktion hat sich die auflagenstärkste türkische Tageszeitung Zaman mit den Opfern des Anschlages von Paris solidarisiert und den Terrorakt als „Anschlag gegen die Menschlichkeit“ verurteilt.

In der heute veröffentlichten Erklärung heißt es: „Egal, was der Grund für den Angriff auf die Zeitschrift „Charlie Hebdo“ war, der Angriff und die Ermordung von zehn Journalisten ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Es handelt sich hierbei weit über den Angriff auf Presse- und Meinungsfreiheit hinaus um einen Angriff auf das Recht auf Leben. Gedanken können und dürfen niemals mit Gewalt unterdrückt werden. Wo immer Gewalt das Wort ergreift, kann weder die Rede von Pressefreiheit noch Grundrechten sein. In diesem Fall sind immer die gemeinsamen zivilisatorischen Errungenschaften der Menschheit und der Frieden die Verlierer.“

Die Zeitung schreibt weiterhin, dass Regierungen und internationale Gemeinschaft darüber nachdenken müssten, wieso es ihnen nicht gelungen ist, den Frieden zur prägenden Kraft zu machen und ihre Haltung gegen Gewalt überdenken: „Die Gewaltspirale steigt und die Botschaft des Friedens und die Bemühungen in diese Richtung sind verblasst“, heißt es in der Erklärung der Zeitung, die in der Türkei eine Auflage von knapp eine Million hat und auch in Deutschland, Frankreich und weiteren europäischen Ländern erscheint.

Journalisten Angriffsziel von Terrorgruppen

Des Weiteren werden in der Erklärung Terroranschläge in Istanbul und in der Hauptstadt von Jemen, Sanaa, aufgeführt und auf die weltweit schwierige Lage von Journalisten hingewiesen: „Journalisten sind auf der Welt nicht nur Angriffsziel von Regierungen, sondern auch von Terrorgruppen.“

Die Zeitung sieht die Muslime weltweit, insbesondere jedoch in Europa, in der Pflicht und ruft sie auf, sich gegen die Begründung „des barbarischen Akts mit den abscheulichen Karikaturen über den Propheten“ unmissverständlich, laut und deutlich zu Wort zu melden: „Jeder, der sich zum Islam bekennt, sollte Gewalt und den wilden Mord an Andersdenkenden mit klaren Worten verurteilen.“

Jedoch richtet die Zeitung auch eine Appell an alle Verantwortungsträger und Demokraten: „Heute müssen die Stimmen von jeden, allen Gesellschaften, Gruppen, Regierungen, internationalen Organisationen, die an Demokratie und Freiheit glauben, noch lauter werden. Die Menschheit steht im Kreuzfeuer von Hassverbrechen, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt. Der Weltfrieden kann aber nur mit einem Sieg darüber erreicht werden. Ganz egal, woher und von wem sie kommt, so lange man diese nicht ohne Wenn und Aber bekämpft, wird man die Gewalt nicht beenden können.”

Die Erklärung endet mit dem Satz: „Das Wichtigste ist der Frieden, wir alle brauchen ihn“.