Cannabisfelder in der Türkei: In den letzten vier Monaten wurden in der Provinz Diyarbakır Drogen im Wert von 2,7 Milliarden Türkische Lira konfisziert.

Versteckt hinter ärmlichen Hütten und gut geschützt vor unerwünschten Blicken wehen an vielen Orten in der Provinz Diyarbakır saftig grüne Felder hochgewachsener Pflanzen. Die Vorsicht der Bauern hat einen guten Grund: Was da auf vielen Plantagen und Gärten blüht ist kein Weinreben- oder Teefeld – hier blüht Cannabis.

Der Provinzgouverneur von Diyarbakır Cahit Kıraç stellte die Ermittlungsergebnisse der Abteilungen Anti-Schmuggel und Organisiertes Verbrechen der örtlichen Polizei aus der letzten Zeit auf einer Pressekonferenz am Samstag vor und informierte die Presse über das Gesamtvolumen des während der Monate Mai, Juni, Juli und August beschlagnahmten Rauschgiftes.

In den ländlichen Regionen der Provinz Diyarbakır wurden während dieses Zeitraums insgesamt 196 Drogenrazzien durchgeführt. „Die Polizei konfiszierte dabei 13,3 Kilogramm Haschisch und 25,6 Kilogramm pulverisiertes Marihuana. Im Zuge der Razzien wurden 470 Personen festgenommen. Der geschätzte Marktwert der sichergestellten Drogen liegt bei 2.746 Milliarden TL“, sagte Kıraç. Etwa 48 Millionen Cannabispflanzen seien von der Polizei vernichtet worden, so Kıraç.

Marktwert in Milliardenhöhe

Am Samstag führte die türkische Polizei in Zusammenarbeit mit der Gendarmerie eine großangelegte Operation in Diyarbakır durch und stellte knapp 10 Tonnen pulverisiertes Marihuana und etwa 20.000 Cannabispflanzen, die auf etwa 2 Quadratkilometern angebaut wurden, sicher. insgesamt Neben den sichergestellten Drogen fanden die Einsatzkräfte auch immer wieder Cannabisfelder. Der Marktwert der am Samstag konfiszierten Drogen beläuft sich den Polizeiangaben zufolge auf 35 Milliarden TL.

Türkische Sicherheitskräfte gehen davon aus, dass die Terrororganisation PKK den Anbau von Drogen als eine wichtige Einnahmequelle nutzt. Im Winter 2012 kam es in Teilen Diyarbakırs zu einer Welle von Polizei-Razzien, bei denen große Mengen an Rauschgift entdeckt wurden. Damals war es zu Feuergefechten zwischen PKK-Kämpfern und den türkischen Sicherheitskräften gekommen.

Die Türkei ist auf Grund ihrer geografischen Lage zwischen Europa und Asien ein wichtiges Transitland für Rauschgift aus Zentral- und Südostasien.

Diyarbakır ist eine Hochburg der Kurden in der Türkei. Der PKK-Terror schadete den Bewohnern und warf die zweitgrößte Stadt Südostanatoliens um Jahre zurück. Die laufenden Friedensgespräche wecken Hoffnung auf wirtschaftlichen Aufschwung.

Marokko legalisiert Marihuana für medizinische Zwecke

Befürworter einer kontrollierten Freigabe so genannter „weicher Drogen“ wie Cannabis argumentieren neben zusätzlichen Einnahmen für den Staatshaushalt auch mit einer möglichen Austrocknung des Schwarzmarktes, die der PKK durch sinkende Einnahmen schaden könnte. Marokkos islamische Regierungspartei „Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung“ (PJD) hat sich vor einigen Monaten mit der oppositionellen „Partei für Authentizität und Moderne“ auf eine Legalisierung des Cannabis-Anbaus für medizinische Zwecke geeinigt, die innerhalb von drei Jahren umgesetzt werden soll.

Mindestens 800 000 Marokkaner leben einem Bericht der Tageszeitung „Die Presse“ (Wien) zufolge vom illegalen Anbau von Marihuana und generieren damit einen Jahresumsatz von rund acht Milliarden Euro oder nahezu zehn Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes. Auch das südamerikanische Uruguay hat kürzlich eine Liberalisierung seiner Drogenpolitik beschlossen.