Eine Turkish-Airlines-Maschine auf dem Atatürk-Flughafen von Istanbul. Die Entführung von zwei Mitarbeitern der „Turkish Airlines” Anfang August im Libanon hat gezeigt, dass türkische Staatsbürger in krisengeschüttelten Ländern zunehmend ins Visier von Kriminellen und politischen Gruppen geraten.

In Somalia explodiert eine Bombe vor einem Wohnkomplex der türkischen Botschaft, in Beirut werden zwei türkische Piloten entführt. Türkische Staatsbürger und Einrichtungen der türkischen Regierung im Ausland wurden in letzter Zeit immer öfter zum Ziel von Angriffen. Diese Vorfälle zeigen, dass verschiedene Gruppen in instabilen Ländern durch Entführung oder Terror versuchen, die türkische Regierung zu beeinflussen – und dass die türkische Regierung das Problem bislang nicht ernst genug nahm.

Der türkische Pilot Murat Akpınar und sein Copilot Murat Ağca wurden Anfang August nahe des Rafik Hariri Flughafen in Beirut auf dem Weg in ihr Hotel von Bewaffneten entführt und befinden sich immer noch in den Händen der Geiselnehmer. Die Gruppe „Zuwwar Imam Ali al-Rida” gilt als Drahtzieher hinter der Entführung der beiden Türken. Die Gruppe fordert die Freilassung von 9 schiitischen Pilgern, die von Rebellen in Syrien entführt wurden. Erst wenn diese 9 Schiiten frei kämen, würden die auch die Geiselhaft der beiden Piloten beendet, so verlautete es aus Beirut. Die Gruppe will die Türkei, die über gute Kontakte zur syrischen Opposition verfügt, anscheinend dazu bewegen, sich stärker für die Freilassung der entführten Schiiten einzusetzen.

Die beiden Mitarbeiter der Turkish Airlines sind jedoch nicht die einzigen türkischen Staatsbürger, die im Ausland entführt wurden oder festgehalten werden. Der türkische Journalist Metin Turan vom öffentlich-rechtlichen Sender TRT ist im sog. „Tora-Gefängnis” nahe Kairo in Haft, nachdem er vor kurzem von ägyptischen Sicherheitskräften festgenommen wurde. Auch Reşat Öztürk, ein türkischer Angestellter, wurde von ägyptischen Behörden wegen Spionageverdachts verhaftet und befindet sich momentan in Haft.

Kairo und Damaskus: Momentan keine Orte für Türken?

In Syrien geraten neben westlichen auch türkische Journalisten ins Fadenkreuz von Gruppen, die sich auf Entführungen und anschließende Lösegelderpressung spezialisiert haben. So befindet sich beispielsweise der türkische Journalist Bashar Fahmi Kadumi schon seit mehr als einem Jahr in den Händen von Entführern. Über sein Schicksal dringen nur wenige Informationen an die Öffentlichkeit.

Das Verhältnis zwischen der türkischen Regierung und den Führungen in Damaskus und Kairo ist momentan äußerst angespannt. Durch die schnelle und unumkehrbare Parteinahme des türkischen Premierministers in beiden Konflikten hat sich die Türkei nicht nur Freunde gemacht.

Die türkische Zeitung „Today’s Zaman” sprach mit der „Zivilen Türkischen Luftfahrtsunion” (Hava-İş) über die Entführung der beiden Piloten im Libanon. Der Führer der Union, Atilay Ayçin, beschuldigte die türkische Regierung und Turkish Airlines, keine ausreichenden Sicherheitsvorkehrungen für die Crew getroffen zu haben.

„Die türkische Regierung und Turkish Airlines haben bei den Sicherheitsmaßnahmen für die Piloten versagt. Diese (Stellen) sind als allererstes daran schuld. Turkish Airlines führt keine Verbesserung der Arbeitsbedingungen ihrer Mitarbeiter durch. Die Crews fliegen in gefährliche Länder und Turkish Airlines lässt den Sicherheitsaspekt einfach außen vor“, sagte Ayçin.

Kritik an Turkish Airlines: „Die Familien sind sehr besorgt”

Der Führer der Union sagte darüber hinaus, dass der Vorfall im Libanon für Turkish Airlines nicht das erste Sicherheitsproblem gewesen sei. „Eine Crew der Turkish Airlines erlebte bereits heftige Zusammenstöße in einem afrikanischen Staat. Die Turkish Airline Crews, die jetzt in den Libanon fliegen, weigern sich jedes Mal, das Flugzeug zu verlassen, um ins Hotel zu fahren. Sie haben schlicht Angst um ihre Sicherheit. Turkish Airlines besteht aber darauf, Beirut weiterhin anzufliegen”, beklagte Ayçin. „Die Familien (der Piloten) sind sehr besorgt.”

Turkish Airlines versicherte jedoch, nach dem Vorfall Anfang August seien die Sicherheitsmaßnahmen erhöht worden und dass die Sicherheitslage im Libanon nun „exzellent” sei.

Bereits vor einem Jahr wurden in Beirut bereits zwei türkische Staatsbürger ebenfalls im Zusammenhang mit den von syrischen Rebellen festgehaltenen schiitischen Pilgern entführt. Damals hatten Familienangehörige der Pilger die Türken entführt, um Hilfe für ihre Verwandten zu erwirken. Die beiden Türken wurden nach einigen Wochen wieder freigelassen.

Im Falle der im August entführten Türken scheint sich die Situation jedoch verschärft zu haben, da die Familienclans der 9 Pilger drohten, fortan jeden Türken, der in Beirut auftauche, zu entführen. Anscheinend soll dies Druck auf die libanesische Regierung ausüben, die im Falle der Entführung ermittelt.

Die türkische Regierung reagierte auf die Entwicklungen und verkündete eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen und Sicherheitshinweisen gegenüber Zivilisten und Regierungsangehörigen. Für den Libanon wurde sogar eine Reisewarnung herausgegeben und Ankara forderte alle türkischen Staatsbürger im Libanon auf, das Land umgehend zu verlassen.