Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hat Jean-Claude Juncker telefonisch seine Glückwünsche zu seiner neuen Aufgabe als EU-Kommissionschef übermittelt. Nur eine Woche nach seiner harschen Kritik an der EU wies Erdoğan in dem Gespräch darauf hin, dass der EU-Beitritt für die Türkei eine „strategische“ Bedeutung habe.

In der Erklärung des türkischen Präsidialamtes hieß es weiter, dass die freundschaftliche Beziehung zwischen beiden Politikern bekräftigt worden sei. Nach wie vor sei der EU-Beitrittsprozess für die Türkei von Bedeutung, das Land werde auf diesem Weg sich weiter bemühen. Erdoğan habe zudem Juncker zu einem Besuch in die Türkei eingeladen, dieser habe entgegnet, er werde versuchen, im Frühjahr des kommenden Jahres dieser Einladung zu entsprechen.

Die Worte Erdoğans kommen überraschend, da er erst in der vergangenen Woche im Zuge der neuerlichen Verhaftungswelle gegen Journalisten und Polizeibeamte die EU mit scharfen Worten kritisiert hatte. Der Reaktionen aus Brüssel hatte sich der Staatspräsident verwahrt, indem er die EU daran erinnerte, diese möge sich doch lieber „um ihre eigenen inneren Angelegenheiten“ kümmern. Kurz darauf hatte er sogar erklärt, dass ihm eine Mitgliedschaft nicht sonderlich viel bedeute. Die EU könne der Türkei keine Lektionen in Sachen Demokratie erteilen: „Wenn sie uns nicht aufnehmen wollen, dann sollen sie es halt nicht tun“.