Bei einem Anschlag auf eine Synagoge in Jerusalem sind heute mindestens sechs Menschen getötet worden. Polizeisprecherin Luba Samri teilte mit, dass zwei Attentäter mit Messern, Äxten und Pistolen die Synagoge gestürmt und die Betenden dort angegriffen hätten. Bei einem kurzen Schusswechsel soll die herbeigeeilte Polizei die Attentäter getötet haben. Der Anschlag ereignete sich etwa um sieben Uhr in den frühen Morgenstunden. Bei den Angreifern handelt es sich offenbar um zwei Palästinenser aus Ostjerusalem. Es war der erste Angriff auf ein jüdisches Gotteshaus in Jerusalem.

Netanjahu macht Abbas und Hamas für Attentat verantwortlich

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu machte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, der die Tat veurteilte, und die Hamas für den blutigen Angriff in der Kehillat Bnei Torah-Synagoge verantwortlich. Es sei „das direkte Ergebnis der Hetze von Hamas und Abu Masen (Abbas), die von der internationalen Gemeinschaft auf unverantwortliche Weise ignoriert wird“, teilte Netanjahu mit. „Wir werden mit harter Hand auf den grausamen Mord an Juden reagieren, die beten wollten und die von heimtückischen Mördern getötet wurden“, sagte der Regierungschef.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilte den Anschlag auf die Synagoge. „Dass Gotteshäuser zum Schauplatz von tödlichen Angriffen auf unschuldige Gläubige werden, ist eine schreckliche Grenzüberschreitung in einer ohnehin extrem angespannten Lage“, sagte Steinmeier am Dienstag bei einem Besuch in Kiew.

Lage in Jerusalem seit Monaten angespannt

Schon seit Monaten ist die Lage in der für Juden, Muslime und Christen heiligen Stadt angespannt. Immer wieder kommt es zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften zu Zusammenstößen. Zuletzt war es zu einer Eskalation zwischen beiden Seiten gekommen, nachdem radikale Siedler unter dem Schutz von Sicherheitskräften auf den Tempelberg gingen. Bei den Zusammenstößen mit den Palästinensern sollen die Soldaten auch in die Al-Aqsa-Moschee eingedrungen sein.

Mit dem heutigen Anschlag in Jerusalem droht jetzt eine weitere Eskalation. Sollte die Gewalt nicht abnehmen, könnte eine dritte Intifada ausbrechen. Bei der letzten Intifada kamen mehr als 3.500 Menschen ums Leben. (dpa/dtj)