Viele Deutsche haben nach wie vor Ressentiments gegenüber ethnischen und kulturellen Minderheiten. Mehr als jeder Fünfte äußerte gegenüber Sinti und Roma, Juden, Muslimen und Asylbewerbern starke Vorurteile und Ablehnung, heißt es in einer am Mittwoch in Berlin vorgestellten Umfrage. Danach meinen rund 23 Prozent der Befragten, dass Sinti und Roma zur Kriminalität neigten. 19 Prozent glauben, Juden versuchten aus der Vergangenheit des Dritten Reiches heute Vorteile zu ziehen. 17,5 Prozent gaben an, dass sie sich durch die Zahl der Muslime „wie ein Fremder im eigenen Land“ fühlten.

Die Studie „ZuGleich – Zugehörigkeit und Gleichwertigkeit“ wurde vom Bielefelder Institut für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) durchgeführt und von der Stiftung Mercator gefördert.

Sie bescheinigte den Deutschen zugleich generell eine große Aufgeschlossenheit gegenüber der Integration. So seien 36 Prozent für eine stärkere Willkommenskultur für Migranten; 47 Prozent erklärten, eine positive Haltung zur zunehmenden Vielfalt zu haben.

Angst, selbst abgehängt zu werden

Wenn es um die Umsetzung im Alltag gehe, seien allerdings viele reserviert und hingen an vermeintlich alten Vorrechten, erklärte der Leiter der Studie am IKG, Andreas Zick. So zögen althergebrachte Muster, wenn es um Integration als gegenseitigen Prozess einer Veränderung gehe, sagte Zick weiter. Ein Teil der Reserviertheit sei sicher auch auf die zunehmende Angst zurückzuführen, selbst abgehängt zu werden, so der Wissenschaftler.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Staatsministerin Aydan Özoğuz (SPD), erklärte dazu, es sorge sie, dass viele Befragte ihre persönliche Integrationsbereitschaft und Toleranz überschätzten. Wenn es darum gehe, konkrete Integrationsanstrengungen zu unternehmen, werde die Verantwortung dafür mehrheitlich den Einwanderern zugeschrieben.

Der innenpolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck, bezeichnete das Ausmaß der Ablehnung von Minderheiten als erschreckend. Die Vorbehalte gegenüber Juden zeigten, dass es nach wie vor auch ein hohes Maß an latentem Antisemitismus in Deutschland gebe.

Für die Studie wurden nach Angaben des IKG rund 2.000 volljährige Menschen in der Zeit zwischen November 2013 und Januar 2014 befragt. (KNA/dtj)