Die ‘Nummer Vier’ des türkischen Fußballs ist weit weg von seinen Erfolgen aus der Vergangenheit. Trabzonspor versucht an alten Erfolgen anzuknüpfen.

Trabzonspor hat gerade eine verkorkste Saison hinter sich. Während der Amtszeit von Trainer Şenol Güneş fand der sechsmalige türkische Meister eigentlich wieder zu alter Stärke, musste aber jeden Sommer wichtige Leistungsträger – in vielen Fällen sogar ablösefrei – ziehen lassen. Die Abgänge konnten nie wirklich kompensiert werden. Oben drauf unterschrieben die Abgänge dann auch noch bei den direkten Ligakonkurrenten. So wechselten Selçuk İnan, Ceyhun Gülselam, Engin Baytar und Burak Yılmaz zu Galatasaray und Egemen Korkmaz schloss sich zwischenzeitlich Beşiktaş an. Letzterer verweilte nur eine Saison bei den Schwarzen Adlern, nahm dann einen Tapetenwechsel vor und wechselte zum Lokalrivalen Fenerbahçe.

Der Verlust der ganzen Leistungsträger, die in der Saison 2010/2011 mit Trabzonspor Vizemeister wurden, ist ein wesentlicher Grund für die aktuelle Situation im Verein. Die Neuverpflichtungen konnten die Erwartungen nicht erfüllen, womit der ambitionierte Klub vom Schwarzen Meer deutlich an Qualität einbüßen musste. In der letzten Saison fand sich Trabzonspor größtenteils sogar in der unteren Tabellenhälfte wieder und hatte jeweils nur ein kleines Punktepolster auf die Abstiegsränge.

Die schlechten Ergebnisse und der damit verbundene mediale Druck trieben selbst die Trainerlegende Şenol Güneş zum Rücktritt. Nachfolger wurde Tolunay Kafkas, bei dem jedoch auch kein deutlicher Aufwärtstrend zu beobachten war. Letzten Endes belegte Trabzonspor dank einiger Siege im Endspurt den neunten Tabellenplatz und auch das Pokalfinale gegen Fenerbahçe ging verloren, reichte dem Klub jedoch für die Teilnahme an der Europa League-Qualifikation.

Trabzon tröstet sich mit der Qualifikation zur Europa League

Eine Alptraum-Saison schien dank dem Europa-Ticket noch versöhnlich beendet. Den Ansprüchen der Führungsriege genügte es jedoch keinesfalls, sodass sich die Wege auch mit Tolunay Kafkas trennten. Fortan wollte Trabzonspor zu seinen eigenen Wurzeln zurückkehren und „beförderte“ Mustafa Akçay, Trainer des Zweitligisten 1461 Trabzon und gleichzeitig Reservemannschaft von Trabzonspor, zum Cheftrainer. Der 54-Jährige machte in der letzten Saison im Pokal auf sich aufmerksam, wo er unter anderem den türkischen Meister Galatasaray rauswarf und das letzte Gruppenspiel auswärts bei Fenerbahçe gewinnen konnte.

Mit den eigenen Werten und einer neuen Philosophie wollte „die Nummer vier“ der Türkei an den erfolgreichen Zeiten unter Şenol Güneş wieder anknüpfen. Man setzte das Durchschnittsalter der Mannschaft herunter und verpflichtete zwei erfahrene Spieler mit internationaler Klasse. Die Rede ist von Jose Bosingwa und Florent Malouda, die einst gemeinsam beim FC Chelsea unter Vertrag standen und dort sogar die Champions League gewinnen konnten. Von einem gelungenen Saisonstart konnte man am Schwarzen Meer dennoch trotzdem nicht sprechen. Mit drei Punkten aus drei Spielen belegt die Mannschaft von Akçay derzeit nur Platz 15.

In Trabzon tröstet man sich derzeit nur mit der überstandenen Qualifikation zur Europa League. Derry City, Dinamo Minsk und Kukesi hatten in den drei Qualifikationsrunden das Nachsehen gegen den türkischen Traditionsverein. Bei der Auslosung der Gruppenphase fand sich Trabzonspor mit Lazio Rom, Legia Warschau und Apollon Limassol in der Gruppe J wieder und darf sich realistische Chancen auf ein Weiterkommen machen.

Nach Lazio wird Trabzonspor als Favorit gehandelt

Die Favoritenrolle in der Gruppe steht dabei klar dem letztjährigen Europa-League-Viertelfinalisten Lazio Rom zu, der in der Vorsaison in der Runde der letzten Acht an Fenerbahçe scheiterte. Die Italiener verfügen über den qualitativ am stärksten besetzten Kader in der Gruppe und haben mit den brasilianischen Spielmacher Hernanes einen Spieler in den Reihen, der den Unterschied ausmachen kann. Im defensivem Mittelfeld haben die Römer mit Cristian Ledesma einen starken Mann und im Sturm verlässt man sich auf den erfahrenen Torjäger Miroslav Klose. Dass Lazio jedoch schlagbar ist, konnte Fenerbahçe bereits in der abgelaufenen Saison beweisen.

Nach Lazio wird Trabzonspor als Favorit auf das Weiterkommen gehandelt. Jedoch könnte Legia Warschau Trabzonspor im Kampf um das Sechzehntelfinalticket das Leben schwer machen. Denn der polnische Meister scheiterte in der Champions League-Qualifikation sehr knapp an Steaua Bukarest und hatte nach zwei Remis nur aufgrund der Auswärtstorregel das Nachsehen. Vorher schaltete der Klub aus der polnischen Hauptstadt Molde FK aus.

Apollon Limassol aus Zypern gilt als krasser Underdog der Gruppe. Der Verein belegte in der zyprischen Liga nur Platz 6. Dennoch sollte Trabzonspor gewarnt sein, da sich Limassol in der Qualifikation gegen den französischen Vertreter OGC Nizza durchsetzen konnte und das Beispiel APOEL (erreichte in der Saison 2011/2012 das Champions League-Viertelfinale) zeigt, dass Vereine aus Zypern immer mal wieder für eine Überraschung gut sein können.