Das Präsidium für Religionsangelegenheiten Diyanet ist künftig dem neuen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoğlu unterstellt. Dies spiegele die wachsende Verantwortung der Behörde wieder, sagte deren Leiter Mehmet Görmez laut türkischen Medienberichten vom Mittwoch. Bisher war die Behörde, das die 80.000 Moscheen in der Türkei verwaltet und auch Hunderte von Imamen in das Ausland entsendet, einem der mehreren Stellvertreter des Regierungschefs zugeordnet. Nach seinem Amtsantritt in der vergangenen Woche zog Davutoğlu im Rahmen eines Neuzuschnitts der Verantwortungsbereiche im Kabinett die Aufsicht über die Diyanet an sich.

Während der über 10-jährigen Regierungszeit der AKP ist die Zahl des Diyanet-Personals um 69,95 % gestiegen. Laut eigenen Angabe hatte Diyanet im Jahre 2004 71.693 Mitarbeiter. 2008 erreichte die Zahl der Mitarbeiter 83.033. Im vergangenen Jahr stellte das Amt mit 16.373 die meisten neuen Mitarbeiter in den vergangenen 10 Jahren ein und erreichte Ende 2013 den Rekordstand von 121.845 Mitarbeitern.

Parallel dazu stieg auch der Anteil, der für die Diyanet vorgesehen ist, im Staatshaushalt. Die Behörde bekam 2013 mit umgerechnet 1,61 Mrd. Euro mehr Geld vom Staat als elf Ministerien.

In der türkischen Presse wurde der Schritt als Zeichen dafür gewertet, dass die Behörde künftig besonders in der Nahost-Politik der Türkei eine größere Rolle spielen solle. Der Zeitung „Hürriyet“ zufolge deuteten politische Kreise in Ankara die Entscheidung Davutoğlus für eine direkte Kontrolle über das Amt als Signal einer stärkeren „Glaubensdiplomatie“ in der türkischen Außenpolitik. Behördenleiter Görmez selbst sagte nach Medienberichten, das die Behörde mit seiner Arbeit und seinen Prinzipien ein Vorbild für die ganze islamische Welt sei.

Die Diyanet hatte zuletzt mit einer Konferenz in Istanbul auf sich aufmerksam gemacht, bei der es um eine Versöhnung zwischen schiitischen und sunnitischen Muslimen ging. Bei dem Treffen im Juli wandten sich die Teilnehmer mit Blick auf den Vormarsch der Terrormiliz „Islamischer Staat“ zudem gegen Gewalt und Terrorismus im Namen der Religion.