Dem Terroranschlag vor der regierungskritischen Kundgebung, zu der neben vielen Gewerkschaften auch die prokurdische Partei HDP aufrief, ist auch der 9-jährige Veysel Atılğan zum Opfer gefallen. Der kleine Junge war mit seinem Vater Ibrahim Atılğan auf dem Weg zur der Kundgebung vor dem Hautbahnhof von Ankara schwer verletzt worden. Er wurde sofort in das İbni Sina Krankenhaus gebracht, wo er seinen Verletzungen erlag, berichtet die Tageszeitung Evrensel. Auch Ibrahim Atılğan, Mitglied der Transportgewerschaft (Birleşik Taşımacılık Sendikası), kam bei dem schwersten Anschlag der jüngeren türkischen Geschichte ums Leben. Die Mutter Nezahat Atılğan trauerte sowohl um ihren Ehemann als auch um ihren kleinen Sohn: „Wie soll ich dich, mein liebes Kind, ins Grab legen?“, sagte sie, nachdem sie erfuhr, dass ihr Sohn nicht mehr lebt.

Bei den landesweiten Protesten gingen tausende von Menschen auf die Straße, um ihre Stimme gegen den Terror zu erheben. Sie verurteilten den Anschlag und forderten den Rücktritt der Übergangsregierung unter dem AKP-Ministerpräsidenten Ahmet Davutoğlu. In Taksim versammelten sich die Menschen auf Einladung der pro-kurdischen HDP vor dem Galatasaray-Gymnasium. Sie machten einen Sitzprotest und riefen „Frieden trotz allem, Brüderlichkeit trotz allem“ und „Wir waren, sind und werden immer sein“. Danach marschierte die Gruppe Richtung Istiklal Caddesi.

Sicherheitsexperte Prof. Dr. Sedat Laçiner zufolge gibt es in der Türkei ein gravierendes Sicherheitsproblem. Der Staat müsse das akzeptieren. „Wenn in einer Hauptstadt solch ein brutaler Doppelanschlag passieren kann, muss sich jeder Staat zweifelsohne hinterfragen“, so Laçiner.