Griechen preotestieren gegen den von der EU auferlegten Sparzwang.

Der jüngste Sieg der linksgerichteten Parteienkoalition Syriza bei den Parlamentswahlen in Griechenland hat in Europa, vor allem aber auch in Deutschland für Aufsehen gesorgt.

Die neue griechische Regierung steht auf dem Standpunkt, dass das Entschuldungsprogramm, das dem hoch verschuldeten Land vor drei Jahren von den Unterhändlern der Eurogruppe aufgenötigt wurde, um Griechenland in der Eurozone halten zu können, das Land ausbluten lasse und jede Chance auf Wachstum zunichte mache. Man will deshalb ein Brückenabkommen, das der griechischen Regierung Reformen ermöglicht, die das Land wieder zurück auf den Weg des Wachstums bringen und ihm so die Rückzahlung der Schulden ermöglichen würde. Griechenland wolle nicht länger wie eine „Schuldenkolonie“ behandelt werden, betonte Finanzminister Yanis Varoufakis am gestrigen Montag wieder, bevor in Brüssel ein Einigungsversuch mit der Eurogruppe scheiterte.

Vor allem Deutschland wehrt sich gegen die griechischen Forderungen. Finanzminister Wolfgang Schäuble meinte, Griechenland habe zu lange über seine Verhältnisse gelebt und Europa könne nicht länger Geld ohne Sicherheiten zur Verfügung stellen.

Griechenland ist aber seinerseits der festen Überzeugung, zumindest über eine Sicherheit in jedem Fall zu verfügen, nämlich über offene Reparationsforderungen gegen Deutschland auf Grund des Wütens des Hitlerfaschismus in der Zeit von 1941 bis 1944.

Am 6. April 1941 hatte die Deutsche Wehrmacht Griechenland angegriffen und innerhalb weniger Monate vollständig besetzt. Neben Unterdrückung, Zerstörung, blutigen Massakern, Hunger und Infektionskrankheiten, die bis zu 600 000 Griechen das Leben kosteten, brachte die Besetzung auch wirtschaftliche Plünderung mit sich.

Nazis hatten selbst die Kosten der Zwangskredite beziffert

Die Nazis forderten Griechenland zum einen Besatzungskosten ab, darüber hinaus auch zusätzliche Beträge für ihre Kriegsführung im östlichen Mittelmeerraum von der griechischen Nationalbank. Diese Zwangskredite möchte die griechische Regierung heute Deutschland in Rechnung stellen.

In einem Interview mit der „Tagesschau“ bezeichnet Historiker Hagen Fleischer die griechischen Forderungen als berechtigt. Der seit 1977 in Griechenland lebende und an den Universitäten Kreta und Athen lehrende Hochschullehrer, der Griechenland bei vielen Konferenzen und Forschungsprojekten repräsentiert, findet die deutsche Haltung, die Athens Forderungen bis heute ignoriert, unangebracht.

Die Nazis hätten die Verbindlichkeiten auf Grund der Zwangskredite in einem Dokument „für den inneren Gebrauch“ bereits selbst beziffert. Helmut Kohl und Hans-Dietrich Genscher hätten das Thema jedoch für obsolet erklärt.

Das gesamte Interview, das Patrick Gensing führte, ist auf der Webseite der „Tagesschau“ zu lesen.