Die Polizei in Istanbul ist in Alarmbereitschaft versetzt worden, nachdem am Sonntag in Teilen der Stadt Sprengkörper gefunden wurden, die auf Anschlagsversuche im Zusammenhang mit den jüngsten Ausschreitungen im Südosten der Türkei hindeuten.

Im Bezirk Maltepe auf der asiatischen Seite der Stadt wurde eine verdächtige Schachtel entdeckt, die auf einer Atatürk-Statue hinterlassen wurde. Sicherheitsteams und ein Bombenentschärfungsdienst wurden umgehend an den Tatort gerufen. Dort soll auch ein Schreiben aufgefunden worden sein, in dem es hieß, diejenigen, die für die Ereignisse von Cizre verantwortlich wären, würden zur Rechenschaft gezogen.

Nachdem unter hohen Sicherheitsvorkehrungen die Sprengvorrichtung entschärft worden war, eruierte die Polizei, dass es sich dabei um eine handgebastelte, druckinduzierte Granate handelte, die aus leichteren Flüssigkeitszylindern zusammengesetzt war und Benzin enthielt. Die Bombenteile wurden zur weiteren Untersuchung ins Kriminallabor verbracht.

Darüber hinaus explodierte eine Bombe auf der Millet-Prachtstraße im Bezirk Fatih. Glücklicherweise kamen keine Personen zu Schaden. Die Polizei hat ihre Ermittlungen zu dem Vorfall aufgenommen.

YDG-H hatte über von ihr kontrollierte Siedlungen „Autonomie“ ausgerufen

Im Bezirk Sultangazi wiederum wurde eine weitere Bombe in einem verdächtigen Paket gefunden, das zwei maskierte Personen an einer Bushaltestelle zurückgelassen hatten. Die Polizei sperrte unmittelbar nach ihrem Eintreffen das Gebiet ab, nachdem Bürger sie über den Gegenstand in Kenntnis gesetzt hatten.

Auf dem Paket fand sich ein Schriftzug „YDG-H“, der auf die Bewegung der Revolutionären Patriotischen Jugend hindeutet, die so genannte Polizeieinheit der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK), die in Teilen des Südostens der Türkei einige Siedlungen kontrolliert und im Herbst letzten Jahres schon einmal über einige davon die „Autonomie“ ausgerufen hatte. Die Bombe wurde von der Polizei entschärft.

An sieben Orten sollen in Istanbul Bomben versteckt worden sein

Auch in Istanbuls Arbeiterviertel Kasımpaşa gab es einen Bombenalarm. Drei Personen wurden von der Polizei verfolgt und warfen zwei Taschen auf die Straße, ehe sie Schüsse auf die Polizeibeamten abgaben. Der Polizei gelang es, drei Personen festzunehmen, während ein Bombenentschärfungsteam herbeigerufen wurde.

Unterdessen wurde auf einem angeblich von der YDG-H betriebenen Twitteraccount mitgeteilt, dass insgesamt sieben Bomben an sieben unterschiedlichen Plätzen in Istanbul deponiert worden wären. Man habe diese über die Stadt verstreut, um „Rache für die Massaker in Cizre“ zu nehmen. Im Zuge von Ausschreitungen waren dort und an anderen Orten der Provinz Şırnak sowie im gesamten Südosten im Laufe der letzten Monate mehrere Jugendliche getötet worden, als Proteste gegen die Syrienpolitik der Regierung in Ankara eskalierten.

Auch in den Bezirken Alibeyköy, Mecidiyeköy und Bayrampaşa sollen Bomben hinterlassen worden sein, hieß es in einem Tweet. Aufgefunden wurden dort jedoch keine.