Am 1.November finden die Neuwahlen in der Türkei statt. In Deutschland lebende Türken dürfen aber schon ab heute (Donnerstag) wählen. In den Städten Berlin, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln, Düsseldorf, München, Mainz, Nürnberg, Stuttgart, Karlsruhe, Essen und Münster können die Wahlberechtigten bis zum 25. Oktober ihre Stimmen abgeben. Es ist das dritte Mal innerhalb weniger Monate, dass ihr Einsatz nun gefragt ist.

Die Funkhaus-Europa-Redakteurin Ayça Tolun sprach in einem Interview mit dem Radiosender WDR über die Wahlen von einer „gewissen Wahmüdigkeit“, die sich unter den Türken breitmache. „Das sieht man daran, dass der türkische Ministerpräsident Davutoglu am vorigen Samstag in Düsseldorf war, und es waren nur knapp 8.000 Menschen da. In die Halle passen bis zu 18.000 Leute […]. Natürlich sind jetzt auch viele enttäuscht – nachdem sie im Juni bereits ihre Stimme abgegeben hatten, müssen sie nun schon wieder wählen gehen.“

Ihrer Meinung nach wird es auch bei dieser Wahl darum gehen, ob die prokurdische HDP ins Parlament einziehen kann oder nicht. „Wenn sie einzieht, kann Erdogans Partei nicht allein regieren. Dann werden wir dieselbe Situation haben wie nach den Wahlen im Juni. Da hat die Regierungspartei ja alles getan, damit keine Koalition zustande kommt, und Erdogan hat auch unlautere Methoden angewendet – indem er zum Beispiel den Regierungsauftrag sehr spät abgegeben hat. Meine persönliche Prognose: Wahrscheinlich wird es knapp, aber die HDP wird wahrscheinlich wieder reinkommen.“

Bei den vergangenen Wahlen am 7.Juni hatten von 1,4 Mio. Wahlberechtigten in Deutschland nur knapp 40 Prozent von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht.