Aydan Özoguz und Angela Merkel
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Die erste türkischstämmige Politikerin im Bundeskabinett, Aydan Özoğuz (li.), ist unter den Deutschlandtürken nicht die bekannteste Politikern mit türkischen Wurzeln. Dies geht aus einer Umfrage direkt nach den Wahlen im September der Meinungsforschungsinitiative Endax im Auftrag des Nachrichtenportals DTJ Online hervor. Bei der Umfrage wurden 570 wahlberechtigte Deutschtürken danach befragt, welche deutsch-türkischen Politiker sie kennen und bevorzugen. Sowohl der bekannteste, als auch beliebteste von den in den Bundestag gewählten deutsch-türkischen Politikern ist mit Abstand Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen). Von den 570 Teilnehmern der Studie gaben 483 an, Özdemir zu kennen. Überraschender als dieses Ergebnis ist das von Cemile Giousouf, die als Newcomerin und CDU-Kandidatin mit viel Medienaufmerksamkeit bedacht worden war und nun auf 187 Stimmen kommt, dicht gefolgt von Sevim Dağdelen (Die Linke) mit 152. Weniger bekannt ist hingegen Aydan Özoğuz (SPD), die als erste Staatsministerin mit türkischen Wurzeln das Amt der Integrationsbeauftragten im neuen Kabinett übernommen hat. Nur 108 von 570 befragten gaben an, sie zu kennen.

Deutschtürken schätzen Merkels Arbeit

Kanzlerin Merkel (re.) rangiert auf der Beliebtheitsskala im unteren Bereich. Bei unter 11 % der befragten Männer und nur knapp 7 % der Frauen erhielt sie das Prädikat „beliebt“ oder „sehr beliebt“. Insgesamt 22 % stuften sie hingegen als „überhaupt nicht beliebt ein“. Was die Einschätzung der Qualität ihrer Arbeit anbelangt, schnitt die Kanzlerin wesentlich besser ab. 27 % der Männer und 16,5 Prozent der Frauen schätzen die Arbeit der Kanzlerin als „gut“ bis „sehr gut“ ein.

Die Umfrage wurde von dem Leiter des Futureorg Instituts, Kamuran Sezer, und seinem Team durchgeführt. Sezer weist darauf hin, dass es über die Einstellung von Deutsch-Türken zur deutschen Politik und zu politischen Akteuren zu wenig wissenschaftlich auswertbare Erkenntnisse vorliegen und sagte über die vorliegende Studie: „Sie zeigt, dass die türkische Community eine politisch vielfältige Gemeinschaft geworden ist, die in ihren Parteipräferenzen und ihrem Wahlverhalten dynamischer ist als bisher angenommen. Somit trägt die Studie zum Erkenntnisgewinn bei.“

Vertrauen ausbaufähig

Die Ergebnisse zur Bekanntheit und Beliebtheit türkischstämmiger Bundestagsabgeordneter kommentierte Sezer wie folgt: „Sie führt vor, dass das Vertrauen der Deutschtürken Ihnen gegenüber ausbaufähig ist. Nahezu jeder zweite Befragte gibt an, dass keiner der Bundestagsabgeordneten bei Ihnen beliebt sei. Die türkischstämmigen Volksvertreter, die eine wichtige Schnittstelle zwischen den demokratischen Institutionen des Landes und der türkischen Community bilden, müssen Kraft und Zeit aufwenden, das Vertrauen der Community zu gewinnen.“

Wenig Kontakt zur Basis

Süleyman Bağ, Chefredakteur des Nachrichtenportals DTJ Online, ergänzt: „Politiker mit türkischen Wurzeln machen ihre Karriere von Beginn an in einer Partei und verlieren mit dem Aufstieg den Kontakt zu Vereinen und Verbänden und somit zur Basis. Wenn sie Öffentlichkeitsarbeit machen, dann ist dieses entweder auf den Wahlkreis beschränkt oder sie zielt auf die Mehrheitsgesellschaft ab. Es kommt oft vor, dass deutsch-türkische Politiker vor den Wahlen zwar auf die ethnische Karte setzen, nach den Wahlen jedoch als Parteifunktionäre auftreten.“

44,5 % wählten die SPD, CDU ist der Hauptgewinner

Bei einer hohen Wahlbeteiligung – 86 % der befragten haben angegeben, am 22. September von ihrem Wahlrecht gebraucht gemacht zu haben – der befragten Deutschtürken liegen die Parteipräferenzen direkt nach der Bundestagswahl wie folgt: Mit 44,5 % erhielt die SPD in der türkischstämmigen Community demnach immer noch den größten Zuspruch, obwohl dieser im Vergleich zu früheren Bundestagswahlen merklich nachgelassen hat. Bündnis90/Die Grünen verzeichnen hingegen die größten Verluste und landeten bei nunmehr 8,9 % Stimmenanteil aus der türkischen Community. Die größten Gewinne verzeichnet die CDU und konnte ihren Anteil an der Wählerschaft auf 33,9 % steigern. Die FDP erhielt mehr Zuspruch als im Durchschnitt des bundesdeutschen Wählervotums mit über 6 %. Die Linke und BIG blieben mit knapp über 2 % weit abgeschlagen.

EndaX ist eine Initiative des Dortmunder futureorg instituts, der World Media Group AG und DTJ Online. Bei EndaX handelt es sich um ein „Online Access Panel”, bei dem sich Personen mit Migrationshintergrund registrieren können, um an Befragungen zur Meinungsforschung teilzunehmen. Mehr Informationen finden Sie unter: www.endax.de. Die kostenlose Version der Studie mit weiteren Detailanalysen kann ab dem 8.1.2014 über das futureorg institut bezogen werden.