Der Chefredakteur der regierungskritischen türkischen Tageszeitung Zaman, Ekrem Dumanlı, sitzt seit gestern in Untersuchungshaft. Die Zeitung veröffentlichte in der heutigen Ausgabe eine Kolumne Dumanlıs, in der der Journalist seine Kritik an der AKP-Regierung wiederholt. Dumanlı schreibt: „Einer Zeitung, die seit 30 Jahren erscheint, hat man bis zum heutigen Tag keine einzige rechtswidrige Handlung nachweisen können. Und jetzt soll sie von heute auf morgen gesetzeswidrig gehandelt haben? Wir werden uns vor dem Unrecht nicht beugen. Gibt es noch Medien in der Türkei, die nicht unter Druck stehen und ihre Meinung frei äußern können? Der Zustand ist sehr schlimm. Ich sehe das nicht als ein Angriff auf Zaman. Ich sehe es als einen Anschlag auf die türkische Demokratie, auf die Menschenrechte und auf die türkische Presse.“

Nach der Verhaftung des Chefredakteurs haben sich die Zaman-Redaktion und die Redaktionen von weiteren Publikationen der Mediengruppe Feza mit einer gemeinsamen Erklärung in sieben Sprachen an die internationale Öffentlichkeit gewandt. Die Redakteure haben in ihrer Erklärung betont, dass sie sich dem Druck der AKP-Regierung nicht beugen würden. Weiter heißt es in der Erklärung: „Für die Demokratie der Türkei und für die Pressefreiheit ist der heutige Tag ein schmerzlicher Tag. Neben unserem Chefredakteur Ekrem Dumanlı sind heute viele unserer Kollegen mit unbegründeten Anschuldigungen festgenommen worden. Seit Jahren erlebt die Pressefreiheit in unserem Land einen starken Rückgang. Die weltweit führende Institution Freedom House, welches die Entwicklungen im Bereich der Grundrechte beobachtet, hat vor kurzem die Türkei als „non-free“-Land kategorisiert. Die heutigen Verhaftungen sind ein weiterer großer Rückschritt.“

Die Feza-Gruppe veröffentlicht neben der auflagenstärken türkischen Tageszeitung Zaman die englischsprachige Tageszeitung Todays Zaman und das politische Wochenmagazin Aksiyon. Dazu heißt es in der Erklärung: „Unsere Medien Zaman, Todays Zaman und Aksiyon haben sich seit ihrer Gründung für die Demokratisierung der Türkei, für die Freiheit und für die Mitgliedschaft der Türkei die Europäische Union (EU) eingesetzt. Sie waren und sind stets eine starke Stimme für den gesellschaftlichen Frieden im Lande und für den Frieden in der Welt.“

Hier kann die Erklärung in voller Länge aufgerufen werden.