Das Jahr 1909 spielt eine große Rolle in der türkischen Geschichte. Das „Komitee für Einheit und Fortschritt“ zwang Sultan Abdulhamid II. mit einem Putsch zur Abdankung. Das Deutsche Reich verlor somit einen ihm einigermaßen gewogenen Mann in der Hohen Pforte. Zu diesem Zeitpunkt wurde aber auch im Auftrag von Hugo Zietz in Dresden eine Zigarettenfabrik in Form einer Moschee errichtet.

Die deutsch-türkischen Beziehungen reichen weit bis in die Zeit der Kreuzzüge zurück. So, wie wir sie heute kennen, entwickelten diese sich von den Tanzimat-Reformen im Osmanischen Reich an (1839 – 1876). In dieser Zeit empfing die Hohe Pforte eine große Anzahl an europäischen Diplomaten und Militärangehörigen, sei es, um die osmanische Armee den europäischen Normen anzupassen, sei es, um diplomatische Beziehungen mit Europa aufzubauen.

Das Deutsche Reich war an einer Freundschaft mit den Osmanen besonders interessiert. Viele deutsche Generäle wie Helmuth von Moltke oder Liman von Sanders durften als „Paşa“ in der osmanischen Armee dienen. Türken kamen unter anderem auch nach Preußen, um die Militärschule abzuschließen und waren auch im restlichen Gebiet des Deutschen Reiches gern gesehen, so etwa im Königreich Sachsen.

In Istanbul findet man deutsche Architektur an und in mehreren Gebäuden. Die besten Beispiele sind dabei in Beyoğlu zu finden: Häuser an der Istiklal Caddesi oder neben dem Galata-Turm weisen klassische deutsche Architekturmerkmale auf. Aber auch in Deutschland wurden Gebäude errichtet, die eine orientalische Bauart aufweisen. Die Yenidze in Dresden ist vielleicht eines der größten und bedeutsamsten Beispiele dieser Art. Auch wenn der Bauherr Hugo Zietz sich vielleicht keine großen Gedanken über den kulturellen Austausch beider Nationen gemacht haben mag, ist der Beitrag bemerkenswert und verschönert die Silhouette Dresdens – zumindest von der Spitze der Frauenkirche aus.

Zietz ist der Gründer der orientalischen Tabak- und Zigarettenfabrik Yenidze, die er nach dem osmanischen Anbaugebiet Yenice im heutigen Griechenland benannte. Er gehörte vor dem Bau zu den bedeutendsten deutschen Tabakherstellern.

Architekt wird aus der Architektenkammer ausgeschlossen

Während eines Aufenthaltes im Osmanischen Reich kam Zietz auf die Idee, eine Fabrik im Stil einer Moschee zu erbauen und somit die Konkurrenz mittels einer provokanten Werbung auszustechen. Diese Idee wurde allerdings nicht von jedem willkommen geheißen. Architekt Martin Hammitzsch wurde wegen des umstrittenen Entwurfes aus der Reichsarchitektenkammer ausgeschlossen. Im Gegenzug durfte Hammitzsch aber wenigstens den ersten komplett in Stahlbeton ausgeführten Industriebau Europas realisieren.

Die spitzbogige Glaskuppel ist 20 Meter hoch und die Schornsteine wurden in der Form von Minaretten ausgeführt. Die Verzierungen an den Wänden der Eingänge und an den „Minaretten“ der Yenidze erinnern uns aus der Ferne an arabeske Künste des Orients. Dennoch erkennt man bei einem genaueren Blick, dass diese eher der europäischen Ornamentkunst ähneln als seldschukisch-osmanischen Motiven oder der andalusischen Handwerkkunst, wie man sie etwa in der Alhambra findet.

Yenidze2

Salem Aleikum, Kalif von Bagdad, Salem Gold

„In Yenidze wurden viele verschiedene Zigarettenmarken produziert. Die Hauptmarke war ‚Salem Aleikum’. Es waren also alles orientalische Tabake und deswegen bekamen sie auch noch Namen wie ‚Kalif von Bagdad’ oder auch verschiedene ‚Salems’, etwa ‚Salem Gold’. Aber seine Hauptmarke, wie sie auch am Gebäude stand, war ‚Salem Aleikum’ “, erklärt Gerd Kuhfuß gegenüber DTJ, der für das Gebäude verantwortliche Objektmanager von der Adest Grundstück GmbH. Im Zweiten Weltkrieg wurde auch Yenidze schwer beschädigt und folglich nach dem Krieg notdürftig renoviert. Nach der Wende in den 90er-Jahren wurde das Gebäude verkauft und seit 1997 in einen Geschäfts -und Bürokomplex umgewandelt.

Erstmals kauft ein Türke Yenidze

Heute nach der Restauration hat das Gebäude nichts von seinem orientalischen Touch verloren. Auch sind im Inneren, zum Beispiel in der Eingangshalle, kunstvolle Mosaiken zu sehen. In der Kuppel befindet sich ein Restaurant. Regelmäßig finden Veranstaltungen wie „Märchen in der Kuppel“ statt.

Wie die ImmobilienZeitung.de  Anfang des Jahres berichtete, wurde die ehemalige Zigarettenfabrik erstmals an einen türkischen Investor verkauft. „Envar Büyükarslan ist begeistert. Zum ersten Mal hat der Chef der Berliner EB Group ein Objekt in Dresden erworben und damit gleich in doppelter Hinsicht ein gutes Geschäft gemacht“, hieß es auf der Onlineplattform.