Türkischer Familienvater zusammengeschlagen - Staatsanwalt ermittelt

Der Flughafen Köln-Bonn wurde gestern Schauplatz eines brutalen Polizeieinsatzes. Die aus Duisburg stammende türkische Familie Albayrak wollte ihren Sohn Ediz und dessen Verlobte Dilara Doğan in den Urlaub verabschieden. Dabei kam es zu einem Zwischenfall, als Yaşar Albayrak, der Familienvater, mit einer Flughafenangestellten in ein Wortgefecht geriet.

Laut einem Bericht der türkischen Nachrichtenagentur DHA wollte Yaşar Albyrak seinen Sohn und seine Schwiegertochter am 12. August, dem Tag des Vorfalls, am Flughafen Köln-Bonn nach Istanbul verabschieden. Albayrak wollte sich näher über den Flug informieren und wandte sich aus diesem Grund an eine Angestellte. Laut Albayrak beantwortete diese seine Fragen nicht. Daraufhin gerieten die beiden in ein Wortgefecht. Anschließend kam die Flughafenpolizei dazu, die Situation geriet außer Kontrolle. Die Familie vermutet, dass die Angestellte die Polizei rief.

Einer der Beamten soll den Sohn festgehalten haben, um ihn zu verhaften. Yaşar Albayrak versuchte ihn, daran zu hindern. „Das nächste, was ich mitbekam, war, dass ich mit Schlagstöcken geschlagen wurde. Ich erinnere mich an nichts mehr danach, ich fiel in Ohnmacht”, sagte er. Albayrak musste mit einem 3,5 Zentimeter tiefen Loch im Kopf sofort ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Die Bundespolizei wies diese Berichte zurück. Ihren Angaben zufolge soll Yaşar Albayrak die Beamten selbst tätlich angegriffen haben, sagte eine Sprecherin. Die Verletzungen soll er sich bei einem Sturz zugezogen haben. Er sei auch zu keinem Zeitpunkt bewusstlos gewesen. Eine schriftliche Stellungnahme der Bundespolizei liegt bis jetzt noch nicht vor.

Derweil hat die Kölner Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Im Gespräch mit dem DTJ sagte Staatsanwalt Ulrich Bremer, dass es noch zu früh sei, den Vorfall zu bewerten. Dazu müsse zunächst umfassend und in alle Richtungen ermittelt werden. Ein erschwerender Umstand sei, dass viele Zeugen des Vorfalls nicht in Köln ansässig seien. Mit einem Ergebnis könne daher erst in „ein bis zwei Monaten” gerechnet werden.

Amateuraufnahmen widersprechen Aussagen der Polizei – Bozdağ verurteilt Einsatz

Aufnahmen aus einer Amateurkamera lassen indessen Zweifel an der Darstellung der Polizei aufkommen. Die Bilder zeigen den auf dem Boden liegenden Albayrak, sein Gesicht ist blutüberströmt. Um ihn herum sind Beamte zu sehen.

Der stellvertretende türkische Premierminister Bekir Bozdağ verurteilte den Angriff. Er erwarte, dass gegen die verantwortlichen Beamten mit gerichtlichen Schritten vorgegangen werde. In einer schriftlichen Erklärung kündigte er an, dass die türkische Regierung die Ermittlungen weiter verfolgen werde.

Bozdağ ist als stellvertretender Premierminister zugleich für die Angelegenheiten der türkischen Bürger im Ausland zuständig.

Bereits vor einigen Wochen sah sich die deutsche Polizei Vorwürfen einer erheblichen Gewaltbereitschaft bei Einsätzen im Zusammenhang mit türkischen und muslimischen Mitbürgern ausgesetzt, als mit übertriebener Härte gegen junge Muslime im hessischen Offenbach vorgegangen wurde. Bei Gesprächen vor Ort waren der OB der Stadt und der Polizeipräsident um Schadensbegrenzung bemüht. Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft in dem Fall.