Syrien: Die UN-Expertengruppe hat in ihrem Bericht festgestellt, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit verbotene Waffen im Bürgerkrieg eingesetzt wurden.

Wie “i24” unter Berufung auf die AP berichtet, haben mit der Untersuchung von Proben aus Syrien betraute UN-Inspektoren am Montag geäußert, es gäbe „klare und überzeugende Beweise“ dafür, dass chemische Waffen – sogar in verhältnismäßig großer Zahl – beim Angriff auf die Ghouta-Region nahe Damaskus verwendet worden wären, bei dem hunderte Menschen ums Leben kamen. Dies gehe aus Bodenproben, chemischen Analysen und medizinischen Untersuchungen hervor.

Vor allem die Regionen Ein Tarma, Moadamiyeh und Zamalka seien davon betroffen gewesen. Diese Feststellung findet sich bereits auf Seite eins des Berichts, der am Montagvormittag dem UN-Generalsekretär Ban Ki-moon überreicht wurde. Die syrische Regierungsarmee hatte am 24. August im Raum Ein Tarma nach eigenen Angaben ein den Regimegegnern gehörendes Giftstofflager entdeckt.

Die UN-Inspektoren hatten den Auftrag, zu klären, ob es zu einem Einsatz verbotener Waffen gekommen war. Allerdings hatten sie nicht die Aufgabe, Aussagen darüber zu treffen, wer für einen solchen verantwortlich zeichne.

Das Assad-Regime und die Rebellen beschuldigen sich wechselseitig, hinter dem Angriff zu stehen. Insgesamt stellte die anfangs in ihren Arbeiten behinderte UN-Kommission an 14 verdächtigen Schauplätzen von Angriffen Beweismittel sicher. Es gebe „klare und überzeugende“ Beweise, dass am 21. August bei Damaskus Sarin benutzt worden sei, heißt es in einem Bericht, der im Laufe des Tages dem Uno-Sicherheitsrat vorgelegt werden soll.

Dass das Nervengift Sarin zum Einsatz kam, gehe auch aus einem Foto von der Übergabe des Berichts durch den Chefwaffeninspekteur Ake Sellström an UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hervor. Auf dem Bild ist zu entziffern, dass „Geschosse mit dem Nervenkampfstoff Sarin eingesetzt wurden“.

Sarin gehört zu den am meisten gefürchteten Kampfstoffen: Es ist farblos, geruchlos, geschmacklos – und kann bereits in einer Dosis von nur einem halben Milligramm zum Tod führen.

Beide Seiten in Kriegsverbrechen verwickelt

Paulo Sérgio Pinheiro, der Chef der Untersuchungskommission, gab an, dass man allerdings bis zu einer endgültigen Klassifizierung des verwendeten Giftstoffes noch die Beweisauswertungen eines weiteren Untersuchungsteams der UNO abwarten wolle.

Es wird zwar angesichts der Einigung zwischen Russland und den USA über eine kontrollierte Vorgehensweise zur Vernichtung des syrischen Chemiewaffenprogramms nicht damit gerechnet, dass die Ergebnisse ein militärisches Eingreifen zur Folge haben könnten – allerdings wird der Bericht den Druck auf Syrien verstärken, mit dem Weltsicherheitsrat bei der Umsetzung der Vorgaben zusammenzuarbeiten.

Pinheiro gab gegenüber der Kommission an, dass er fest davon überzeugt sei, dass Assads Regime für Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen verantwortlich sei. Die Rebellen müssen sich Zweiteres, aber nicht Ersteres vorwerfen lassen, da es bei ihnen an einer klaren Kommandokette fehle.

US-Außenminister John Kerry hat am Montag Unterdessen seine wochenlange diplomatische Reise in Paris beendet. Er hatte weltweit um die Unterstützung eines Militärschlages geworben, nach der Einigung mit Russland jedoch nur noch für eine Unterstützung des Plans zur Vernichtung der Massenvernichtungswaffen in Syrien.

Kerry betonte, seine Amtskollegen in England, Frankreich und Russland würden darin übereinstimmen, dass es Konsequenzen geben würde, sollte Assad den Forderungen der internationalen Gemeinschaft nicht entsprechen. Russlands Außenminister Sergej Lawrow hingegen wollte keinen Spekulationen dieser Art nähertreten. Nach seiner Überzeugung würde jede Form der Gewaltandrohung die Opposition anstacheln und eine Chance auf Verhandlungen gefährden.

Headhunter für Al Qaida in Spanien gefasst

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius betonte, Assad müsse verstehen, dass. es für ihn keinen Weg zu einem militärischen Sieg gäbe. Gleichzeitig räumte er ein, dass der öffentliche Rückhalt für die syrischen Rebellen unter der gewichtigen Rolle gelitten habe, die radikale Kräfte wie Al Qaida gewonnen haben. Nach einer Untersuchung des militärischen Beratungsdienstes IHS Jane’s soll etwa die Hälfte der militärisch operierenden Rebellengruppen in Syrien so genannten „Djihadisten“ zuzurechnen sein oder Al Qaida nahestehen.

Der mutmaßliche Chef einer Anwerber-Gruppe des bekannten Terrornetzwerks ist der spanischen Polizei übrigens kürzlich ins Netz gegangen. Wie das Madrider Innenministerium am Montag mitteilte, wurde Yassin Ahmed Laarbi in der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta festgenommen. Der spanische Staatsbürger, genannt „Pistu“, sei per internationalem Haftbefehl des Nationalen Gerichtshofs in Madrid gesucht worden, hieß es. Erst im Juni waren in Ceuta acht mutmaßliche Mitglieder der Bande von Laarbi dingfest gemacht worden.

Die Gruppe, die als zerschlagen gilt, hatte nach amtlichen Erkenntnissen in Ceuta und auch im nahe gelegenen Badeort Fnideq in Marokko unter der Anleitung von Al Qaida junge Leute für den „Djihad“ (im Mainstream-Islam „besondere Glaubensanstrengung“, für extreme und militante Randgruppen jedoch „Heiliger Krieg“) angeworben und indoktriniert. Dutzende Angeworbene, darunter Minderjährige, seien nach Syrien geschickt worden und hätten dort unter anderem auch an Selbstmordanschlägen teilgenommen, hatte das Innenministerium nach der Aktion vom 21. Juni erklärt.

Zwischenfälle an türkischer Grenze

Unterdessen ist ein syrischer Militärhubschrauber am Montag unmittelbar an der Grenze zur Türkei abgestürzt. Syrische Aktivisten erklärten, Rebellenkämpfer hätten den Helikopter abgeschossen. Nach Berichten türkischer Fernsehsender schlug der Hubschrauber wenige hundert Meter auf syrischer Seite der Grenze zu Yayladagi (Provinz Hatay) auf. Zwei Mann Besatzung seien an Fallschirmen zu Boden gegangen. Nach türkischen Berichten töteten syrische Rebellenkämpfer die beiden Piloten.

Die Türkei hat zudem nach eigenen Angaben einen syrischen Armee-Hubschrauber abgeschossen, der in ihren Luftraum eingedrungen war. Der syrische MI-17-Helikopter sei am Nachmittag zwei Kilometer von der Grenze entfernt über türkischem Staatsgebiet geortet worden, sagte Vize-Regierungschef Bülent Arınç am Montag vor Journalisten.

Die Besatzung habe nicht auf Warnungen der türkischen Luftabwehr reagiert, weshalb der Hubschrauber von Kampfflugzeugen abgeschossen worden sei. Von Raketen getroffen sei die Maschine auf syrischem Staatsgebiet niedergegangen. (dpa/dtj)