Dramatische Szenen im Gerichtsgebäude von Çağlayan, einem Bezirk in Istanbul: Staatsanwalt Mehmet Selim Kiraz, der im Fall des getöteten Teenagers Berkin Elvan ermittelt, ist offenbar von Mitgliedern der verbotenen linksextremistischen Revolutionären Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C) als Geisel genommen worden.

Der 15-jährige Berkin Elvan war im März des Vorjahres nach mehreren Monaten im Koma verstorben. Er war am Rande der Gezi-Krawalle im Sommer 2013 von einem Tränengaskanister der Polizei getroffen worden. Seine Eltern gaben an, er habe lediglich Brot holen wollen. Regierungsnahe Medien hingegen behaupten, Elvan sei bewaffnet gewesen und habe sich an den Ausschreitungen beteiligt.

Wie die DHKP-C in einer Erklärung auf der Webseite Halkın Sesi („Stimme des Volkes“) verbreitet, werde der Staatsanwalt von bewaffneten Personen in seinem Büro festgehalten. Er solle „hingerichtet“ werden, sollten Forderungen der Gruppe nicht bis spätestens 15.36 erfüllt würden.

Es gibt noch keine offizielle Erklärung zu den Vorfällen. Auf einigen Twitteraccounts heißt es, am Gerichtsgebäude wären Schüsse zu hören gewesen, als Spezialkräfte zu diesem verbracht worden wären.

DHKP-C fordert „Volksgerichte“ gegen verantwortliche Polizisten

In einer Folgeerklärung auf der gleichen Webseite zeigt die extremistische Gruppe ein Bild von Kiraz, wie diesem gerade eine Waffe an den Kopf gehalten wird. Die Terroristen fordern, die Polizeibeamten, die „Berkin Elvan ermordet“ hätten, sollten „ihre Verbrechen in einer Livesendung gestehen“ und sich später vor „Volksgerichten“ verantworten müssen. Außerdem sollten im Gegenzug zur Freilassung des Staatsanwaltes alle Ermittlungen gegen Personen eingestellt werden, die im Zuge der Protestkundgebungen anlässlich des Todes Elvans im März 2014 strafbarer Handlungen beschuldigt werden.

Die DHKP-C verlangt zudem eine Vermittlerdelegation, um zwischen den Bewaffneten und den Behörden zu verhandeln.